Ergebnisse der Geistesforschung für Lebensfragen und das Todesrätsel

GA 69a/1913-02-16/p021 ·1913-02-16 · original (original)
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Jetzt sehen wir einen Menschen an, der durch die Geburt ins Dasein tritt, wie seine Fähigkeiten sich entwickeln, und wir sehen, wenn wir einen Menschen gegen den Tod hin betrachten, wie er innere Kräfte aufgespeichert hat, die er nicht [mehr] durch den Leib ausdrücken kann. So tritt durch die Pforte des Todes das Innere in die geistige Welt ein; und wenn wir einen Menschen geboren werden sehen, so sehen wir ihn wieder herauskommen aus der geistigen Welt und hereinziehen in das Ererbte von Vater und Mutter. Wenn wir sagen, alle Eigenschaften seien von Vater und Mutter ererbt, so ist das wie die alte Naturforschung, die glaubte, daß aus Schlamm sich sogar Fische bilden könnten. Erst Francesco Redi sagte, daß Lebendiges nur aus Lebendigem stammen kann. Der Geistesforscher kennt den menschlichen Geisteskern. Wenn man sagen wollte, alles stamme von Vater und Mutter, so muß erwidert werden: Das ist eine ungenaue Beobachtung. Man muß sagen: Was aus früheren Verkörperungen kommt, tritt herein und zieht das an sich, was von Vater und Mutter stammt. Alles Geistig-Seelische führt auf ein früheres Geistig-Seelisches zurück. Das heißt, wir kommen zu den wiederholten Erdenleben. Wir haben schon viele Leben durchgemacht. Das alles hat einen Anfang und ein Ende. Wir bringen mit uns, was wir erworben haben an inneren Kräften in diesem Leben, so daß wir auch am Aufbau unseres Leibes arbeiten. Das kann man schon äußerlich sehen. Man betrachtet das Gehirn bei der Geburt und wie es dann plastisch ausgebildet wird. Da arbeitet sich die Individualität heraus. Das, in dem wir uns selbst finden, wenn wir Geistesforscher werden, das ist es, was wir in diesem Leben erworben haben. Daher der erschütternde Eindruck für einen Geistesforscher, weil er nichts an dem ändern kann, was von früheren Leben stammt. Da tritt uns das Todes- und Schicksalsrätsel in besonderer Weise entgegen. Wenn "wir leiden in einem gegenwärtigen Leben, so haben wir es uns selbst zubereitet in einem früheren Leben. Das könnte grausam erscheinen. Aber nehmen wir einmal an, daß jemand im achtzehnten Jahre seines Lebens erleben müßte, daß sein Vater das ganze Vermögen verliert; jetzt muß er etwas lernen, das ist sehr unangenehm, und er kann es höchst übel empfinden. Aber mit fünfzig Jahren wird er es ganz anders beurteilen. So ist der Mensch nicht immer geeignet, ein Unglück zu beurteilen, solange er darinnen steht. Wir müssen uns sagen, wenn wir uns selbst hereinstellen in Not und Elend: Es ist zugleich Entwicklungsbedingung. Es ist nur scheinbar, wenn man glaubt, daß diese Erkenntnis grausam ist.

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Cite: GA 69a/1913-02-16/p021 · edition original