IX. Moses, seine Lehre und seine Mission
Je weiter wir zurückgehen, desto mehr kommen wir zu einer anderen Form des menschlichen Bewußitseins. Zwar hat sich in den Jahrtausenden, von denen wir heute zu reden haben, das, was wir unser heutiges Wach- und Schlafbewußtsein nennen, schon vorbereitet; es gab aber in jenen alten Zeiten, die noch hereinreichen in die ältesten Zeiten der ägyptischen Kultur und von denen die äußere Geschichte nicht viel zu berichten weiß, eine Art alten hellseherischen Bewußtseins, eine Art Bilderbewußtsein. Es war das ein solches Bewußtsein, das sich wie ein Zwischenzustand zwischen Wachen und Schlafen als ein dritter Bewußtseinszustand geltend machte. Das Wachbewußtsein, wie es heute ist und unserer heutigen Weltbetrachtung zugrunde liegt, bereitete sich in seinen Anfängen vor, und auch unser «Schlafunbewußtsein» war im wesentlichen schon vorhanden. Aber die Menschen hatten noch eine dritte Form des Bewußtseins, das nicht durchsetzt war von jenen Gedanken, Begriffen und Ideen, durch die wir uns heute über die Umwelt aufklären. Es war erfüllt von Bildern, von denen die Sinnbilder des heutigen Traumes ein Atavismus sind. Aber in diesen Bildern, die da auf- und abwogten, war nichts Beliebiges gegeben, sondern es waren diese Bilder deutlich zu beziehen auf übersinnliche Tatsachen und Wesenheiten, die hinter unserer sinnlichen Welt stehen, so daß der Mensch tatsächlich in diesem Zustand eines alten Hellsehens hineinreichte in die geistige, in die übersinnliche Welt und aus der unmittelbaren Erfahrung heraus, aus dem alten, traumhaften Hellseherbewußtsein heraus, Kunde hatte von dem, was in der geistigen Welt vorgeht.
Cite:
GA 69b/1911-02-13/p011 · edition original