IX. Moses, seine Lehre und seine Mission
Es kann jetzt nicht eingegangen werden auf die Einzelheiten dieser Mißverständnisse, die da stattfanden zwischen Moses und dem Pharao. Es sind alles Bilder, die uns zeigen sollen: Der Pharao sprach aus einer alten hellseherischen Kultur heraus und aus einer solchen Seelenverfassung, die noch aus dieser hellseherischen Kultur kam. Aus einer solchen ist auch die alte Bilderschrift entstanden. Was der Ägypter verstehen konnte von dem Gang der Naturereignisse — das ist alles daraus entstanden. Moses aber entwickelte ein solches Verständnis der Welterscheinungen, eine solche Kombination der Tatsachen, wie sie aus der modernen Intellektualität hervorging. Das erschien natürlich denen, welche noch im alten hellseherischen Bewußtsein drinnensteckten, als Wunder, als wunderbare Ereignisse, denn geradeso wie der Mensch, der sich heute nicht denken kann, daß irgendwelche Dinge anders geschehen, als er sie sich vorstellt, konnten sich die alten Kulturmenschen nicht vorstellen, daß die Dinge so verlaufen, wie sie sich der moderne Mensch denkt. So ist der Wunderbegriff nur umgekehrt worden.
Cite:
GA 69b/1911-02-13/p029 · edition original