{"corpus":"steiner","locus":"GA 69c/1912-02-22/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sehr verehrte Anwesende! Die Frage nach dem Christus erregt heute Interesse in den weitesten Kreisen. In unserem so aufgeklärten Zeitalter schickt sich diese Frage an, zu einer der bedeutsamsten zu werden. Sieht man auf das Gepräge unserer ganzen Kultur, so ist dieses Interesse begreiflich. Die Christusgestalt war eine solche, welche durch viele Jahrhunderte der abendländischen Kultur den tiefsten Impuls gegeben hat. In der Gegenwart scheint in gewissen Betrachtungen diese Gestalt wie zu entschwinden, wie aus den Händen zu fallen. Vor dem Blick der historischen Forschung zerflattert die Christusgestalt gleichsam. Demgegenüber steht [die Tendenz, bloß noch] ein tieferes Verständnis der Wesenheit des Jesus von Nazareth [zu suchen]. Aber diese Gestalt wird sogar in ihrer historischen Existenz angezweifelt. «Hat Jesus gelebt?» - So wird gegenwärtig oft gefragt. Solch eine Frage greift tief in alle Gemüter ein. Wie bei allen historischen Erscheinungen kann gefragt werden, ob der Christus Jesus eine historische Wesenheit gewesen sei. Aber die Evangelien sind keine Urkunden wie andere, [wie gewöhnliche historische Urkunden]. Vom Standpunkte der gegenwärtigen Geschichtsforschung muss mit gewissem Recht der Glaube an die Christusgestalt bei denen, die eine historische Stütze suchen, einfach erschüttert werden. Das ist mit ein Grund, warum [in der Vergangenheit] der Impuls so tief eingreifend war bei den Menschen und warum [heute dieser Forschung] ein so großes Interesse entgegengebracht werden muss: gerade durch die Angst [der Menschen] vor dem Verlust eines begründeten Glaubens an die Christusgestalt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"II. Christus und das zwanzigste Jahrhundert","site_heading":null,"date":"1912-02-22","location":null,"word_count":232,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69c/1912-02-22/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69c/1912-02-22/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/69c/1912-02-22/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}