Von Jesus zu Christus

GA 69c/1913-11-15/p004 ·1913-11-15 · original (original)
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Diese Geisteswissenschaft ist ja keineswegs etwas, was in der Gegenwart schon in weiten Kreisen anerkannt oder irgendwie belegt wäre. Im Gegenteil - diese Geisteswissenschaft ist etwas, wovon man sagen kann, dass sie wohl noch zu den unbeliebtesten und missverstandensten geistigen Strömungen der Gegenwart gehört. Und gerade bei einem Thema wie dem heutigen sollen solche missverständliche und gegnerische Auffassungen ganz besonders in Betracht gezogen werden. Denn allzu sehr ist noch die Meinung verbreitet, dass Geisteswissenschaft dieses oder jenes Religionsbekenntnis angreifen oder gefährden könnte, welches vielleicht dieser oder jener Seele aus irgendeinem Grunde wert und teuer ist oder sein könnte. Dies aber ist durchaus nicht der Fall, wie es sich dem tiefer in die Geisteswissenschaft eindringenden Menschen zeigen kann. Geisteswissenschaft will Wissenschaft sein und in gewissem Sinne eine Fortsetzung desjenigen, was seit drei bis vier Jahrhunderten als naturwissenschaftliche Denkungsweise in die Menschheitsentwicklung eingeflossen ist. Sie muss nur das, was naturwissenschaftliche Denkungsweise ist, in anderer Weise aus der Menschenseele heraus fruchtbar machen, als die Naturwissenschaft es selber mit ihren Forschungsmethoden fruchtbar machen kann. Denn diese Geisteswissenschaft hat es ja zu tun - nicht mit irgendetwas, was äußerlich für die Sinne wahrnehmbar ist, nicht mit irgendetwas, was der Verstand auf Grundlage der Sinne beobachtet -, sie hat es zu tun mit der Welt des Geistigen. Nahe liegt es daher auch, diejenigen Fragen, welche sich auf das Geistesleben der Menschen beziehen, von diesem geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus zu betrachten. Es gibt gewiss für zahlreiche Seelen der Gegenwart keine Frage, welche im Geistesleben der Menschheit so wichtig sein könnte wie die Frage, die das heutige Thema einschließt - die Frage nach dem Christus Jesus. Ich möchte nur einige wenige Bemerkungen vorausschicken, damit wir uns einigermaßen über den Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft verständigen, um dann sogleich zu dem Speziellen des heutigen Themas überzugehen.

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Cite: GA 69c/1913-11-15/p004 · edition original