Von Jesus zu Christus

GA 69c/1913-11-15/p007 ·1913-11-15 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

So, wie der Mensch im Alltagsleben dasteht, ist sein [physisches] Leben mit seinem geistigen Leben innigseelisch verbunden. Alles, was wir im Alltagsleben verrichten, verrichten wir so, dass das, was geistig in das Leiblich-Körperhafte eingreift, sich des Letzteren als eines Instruments bedient. Nun lassen Sie mich ein Beispiel gebrauchen, auf das ich keinen besonderen Wert lege, sondern welches ich nur zur Verdeutlichung gebrauchen will, [nämlich] wie der Wasserstoff mit dem Sauerstoff zusammen sich zum Wasser verbindet. Nun kommt der Chemiker, scheidet den Wasserstoff ab und zeigt, dass aus dem Wasser etwas herauskommt, was ganz andere Eigenschaften hat als das Wasser. Eine solche «geistige Chemie» wird verrichtet, wenn die Seele auf sich dasjenige anwendet, was ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten» gezeigt habe. Die Seele als geistiges Wesen trennt sich ab von dem Leiblichen, lernt die Fähigkeiten erkennen, innerlich zu leben - abgewendet, gleichsam herausgehoben aus dem Leiblich-Körperhaften. Das ist das große Erlebnis, was der Geistesforscher in sich selber durchmachen muss, nicht durch irgendeine Spekulation, nicht durch irgendeine Philosophie, sondern durch ein hingebungsvolles Üben seiner Seele, diese unabhängig zu machen von den [alltäglichen] Verrichtungen, von ihren Sinnen, von der Mitwirkung des Leiblich-Körperhaften. Das ist das große Erlebnis des Geistesforschers: zu wissen, was es heißt, geistig-seelisch in sich zu leben, ohne dass man im Leibe lebt. Das ist nur eine Andeutung dessen, was ich mir in anderen Vorträgen hier öfters erlaubte auseinanderzusetzen und was ich Sie bitte, heute als eine Behauptung hinzunehmen, denn meine Aufgabe soll ja sein zu zeigen, wie nun ein solches Forschen, was verrichtet wird von einer Seele, die sich zum Geistesforscher gemacht hat, denken muss über dasjenige, was wir das «Christus-Ereignis» oder - vielleicht könnten wir auch sagen — das «Christus-Jesus-Ereignis» im Entwicklungsgang der Menschheit nennen.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/69c/1913-11-15/p007.json
Cite: GA 69c/1913-11-15/p007 · edition original