Von Jesus zu Christus
Man könnte das für alle Lebensgebiete, für die Kunst, Wissenschaft, Philosophie wie auch für das religiöse Leben belegen. Es zeigt, was ich gerade eben nur äußerlich andeuten konnte, mit voller Gewissheit: Wir stehen heute in der Gesamtmenschheitsentwicklung auf einem Punkte, der über die Lebensmitte des Menschengeschlechtes hinausgeht. Man könnte es insbesondere nachweisen an der Art, wie man heute Pädagogik rational begründen muss — ganz anders als in alten Zeiten, weil die Kinder heute heranwachsen in einer Menschheit, die die Pädagogik eben künstlich ausarbeiten muss, loslösen muss von dem, was unmittelbare Impulse sind. Man vergleiche damit alle Pädagogik jener Lebensalter der Menschheit, die sozusagen vor der Lebensmitte stehen, und man wird finden, dass da alle Pädagogik wie aus einer unmittelbaren menschlichen Intuition, aus unmittelbaren menschlichen Instinkten hervorgehen will. Gerade wenn man die rationale Entwicklung des zu erziehenden Wesens beobachten will, wird man das äußerlich voll bestätigt finden, was ich aus der Geisteswissenschaft heraus zu sagen habe. Was sie uns aber zeigt, das ist, dass wir gegenwärtig in dem Zeitalter drinnen stehen, das in der Reife liegt, über die Lebensmitte hinausgeht.
Cite:
GA 69c/1913-11-15/p019 · edition original