Von Jesus zu Christus

GA 69c/1913-11-15/p028 ·1913-11-15 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Bei der anderen Art der Mysterien gab es zum Beispiel eine besonders Ausgeprägte in den alten Kulturen Vorder- und Mittelasiens, und zwar eine, durch die der Mensch in das Dasein eingeweiht wurde durch das Freiwerden vom inneren Erleben. Er musste alles Innerlich-Seelische, wie es im gewöhnlichen Leben eben da ist, unterdrücken. Er wurde gleichsam herausgeholt aus dem innerlich-seelischen Erleben, aus den Sorgen und Bekümmernissen, Trieben und Begierden; und das persönliche Dasein wurde zu einem solchen Erleben gebracht, dass er in intensivster Weise alles das miterlebte, was im Alltagsleben geschieht: die äußeren Naturereignisse. Man erlebte im Alltag Winter und Sommer. Der Schüler solcher Mysterien sollte nicht bloß in dem Sinne, wie man gewöhnlich Winter und Sommer erlebt, den Wechsel der Jahreszeiten durchwandeln; er sollte mit dem Kaltwerden der Erde, mit dem Ersterben der Blätter, der Pflanzenwelt und des gesamten Lebens im Winter das ganze Leben der Erde so miterleben, bis es sein ganzes körperliches Leben mitmachte. Er soll sich als Glied des gesamten Erdorganismus fühlen; er sollte in seinem Innern, in seiner Seele, die Traurigkeit und die Öde des Frostes mitmachen, er sollte sich als ein Glied des Erdendaseins fühlen. Er sollte jauchzen, wenn die Johanniszeit kam und die Sonne am höchsten stand; er sollte das aufgehende frische Leben so fühlen, dass er ihm entgegenjauchzte, gleichsam das ganze Aufwachen des Lebens erlebend. Und dann, wenn die Sonne am höchsten stand, wurde die Seele zum Miterleben des ganzen Kosmos gebracht. Dadurch erlebten diese Menschen den Kosmos ganz anders, als wir ihn in unserer [heutigen] Naturbetrachtung erleben. Sie erhoben sich zu dem Geistig-Seelischen, das über unserem Kosmos ausgegossen ist, und fühlten sich in der Seele des Weltalls.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/69c/1913-11-15/p028.json
Cite: GA 69c/1913-11-15/p028 · edition original