Von Jesus zu Christus
Wenn man diese Einweihung als ein Schüler durchgemacht hatte, dann kam man wiederum zu einem ganz bestimmten Erlebnis. Man kam gleichsam aus sich heraus, aber nicht im schlimmen, sondern im guten Sinne. Man kam zu einem Zustande des Außer-sich-Seins - man nennt es nicht gern ekstatischen Zustand, weil das Wort heute missbraucht wird und vielfach für etwas, was zu verpönen ist, verwendet wird. Man kam zu einer Anschauung über die Naturerscheinungen des ganzen Kosmos, kam zu einem Sich-eins-Fühlen mit dem Kosmos. Und dann kam das ganz bestimmte Erlebnis, das man etwa mit den folgenden Worten aussprechen kann. Der Schüler konnte sich sagen: Ich darf mit dem Kosmos leben, ich darf auf das intensivste erleben, was der Kosmos an geistig-seelischen Kräften in sich hat, und etwas wird mir da klar, nämlich dass der Kosmos angelegt ist, um zuletzt den Menschen hervorzubringen. Ich bin der Sohn des Kosmos! Und wäre der Mensch nicht im Kosmos, so wäre die Schöpfung nicht an ihr Ziel, nicht an ihr Ende gekommen. - Es ist etwas ganz anderes, dies mit abstrakten Worten zu sagen, was ich jetzt gesagt habe, als dies zu erleben, nachdem man die ganze Seele umgewandelt hat, nachdem man so weit gekommen ist, sich wirklich als ein Glied des Kosmos zu fühlen. Das verspürten die Schüler dieser Mysterien. Durch diese Steigerung des ganzen menschlichen Bewusstseins war es ganz unerlässlich, dass der Mensch unter diesem Erleben zu einem stolzen Bewusstseins kam. Stolz war jenes Zusammensein mit dem Göttlich-Geistigen dieser Welt, wie das andere Zusammensein, was man durch die Sinnenwelt zustande bekam, egoistisch war. Und da musste die moralische Entwicklung des Schülers so weit sein, dass er, der das Göttliche erleben sollte und dabei sah, dass alle Außenwelt nach dem Menschen hinzielte, nicht völligem Hochmut verfiel.
Cite:
GA 69c/1913-11-15/p029 · edition original