Von Jesus zu Christus
So steht der Christus Jesus vor der Geisteswissenschaft da als eine Wesenheit, die zugleich durch innerliche wie durch natürliche Anlagen jene Erkraftung der Seele hatte, welche in der einen Mysterienart erworben wurde, und die dadurch fähig wurde, das aufzunehmen, was in der anderen Mysterienart vom Kosmos an den Schüler herankam. So, [in dieser Art,] schauen wir in der Geisteswissenschaft den Christus Jesus an, das heißt, in der Geisteswissenschaft müssen wir davon sprechen, dass dasjenige, was der alte Mysterienschüler als seinen Zusammenhang mit der Gottheit suchte, in dem Christus Jesus als unmittelbare historische Tatsache zum Ausdruck gekommen ist. Wann kam das zum Ausdruck? Es kam zum Ausdruck in demjenigen Lebensalter, in dem im einzelnen Menschen diejenigen Kräfte verbraucht sind, die - wie wir gesehen haben - in der ganzen Menschheit in einem gewissen Zeitalter verbraucht waren. Als Jesus sein dreißigstes Jahr erlangt hatte, da stand er als Mensch genau in demjenigen Lebensalter, in dem zu seiner Zeit die Menschheitsentwicklung stand. Da nahm er das auf, was wir nun den Christus nennen, und dessen Aufnahme trat ein in dem Zeitpunkt, der durch die Evangelien charakterisiert wird als die Johannes-Taufe im Jordan. Da nahm Jesus den Christus in seine voll entwickelte Seele auf; er nahm das in seine innerlich erkraftete Seele auf, was der Geist des Kosmos ist. So steht an diesem Wendepunkt der Menschheitsentwicklung ein Mensch, der das Göttlich-Geistige in sich aufgenommen hat. Vor der Seele der Geisteswissenschaft steht dies so da, dass wir uns sagen können: Was in den alten Mysterien angestrebt wurde, das wurde historisches Ereignis!
Cite:
GA 69c/1913-11-15/p034 · edition original