Von Jesus zu Christus

GA 69c/1913-11-15/p042 ·1913-11-15 · original (original)
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Der Mensch braucht jetzt nicht mehr den Gott dadurch erreichen, dass er entweder seinen Egoismus oder seinen Stolz erhöht, sondern den Gott erreicht er dadurch, dass er Mensch bleibt, [indem er selber sein Menschentum zu einem höheren Selbst, zu einer größeren Innerlichkeit überführt und damit auch die Äußerlichkeit überwindet]. Dadurch also, dass der Christus in den Entwicklungsgang der Menschheit hineinkam, kann man nun zum Menschen sagen: Du sollst Mensch bleiben; auch innerlich sollst du Mensch bleiben, denn in dir selbst findest du das, was seit dem Mysterium von Golgatha in deine Seele eingetaucht ist. Du brauchst nicht nach unten oder nach oben aus dem Menschen herauszugehen. - Erhöhung des Egoismus war einst notwendig bei der einen [Mysterienart] - Erhöhung des Stolzes bei der anderen. Dasjenige aber, was [heute] nach dem Mysterium von Golgatha notwendig ist für die Menschenseele, die nun finden soll das, was man früher innerhalb der Menschheit, innerhalb der menschlichen Erdengeschichte selber gefunden hat - was [damals] notwendig war - und das man mit keinem anderen Wort bezeichnen kann: Das ist die tiefste, die bedeutsamste Eigenschaft des Menschen, das ist die Liebe! In der einen Mysterienart musste der Egoismus entwickelt werden, in der anderen Mysterienart der Stolz. Nun handelt es sich darum, dass der Mensch fähig gemacht wird, gerade über diesen Egoismus und diesen Stolz hinauszugehen und den höheren Menschen in sich zu fühlen, der nach Überwindung des Egoismus [und des Stolzes] strebt. Und es handelt sich zugleich darum, einzulaufen in eine Entwicklung, die nicht in den Stolz und in den Hochmut hineintreibt, sondern die innerhalb des Elementes der Liebe stehen bleibt. Das liegt dem bedeutungsvollen Wort des Paulus zugrunde: «Nicht ich, sondern der Christus in mir!» Man fühlt den Christus seit dem Mysterium von Golgatha zunächst als dasjenige, wodurch man sich also mit seinem Göttlichen vereint, nicht nur dem Worte nach, sondern durch das Mysterium von Golgatha [auch in Wirklichkeit].

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Cite: GA 69c/1913-11-15/p042 · edition original