Von Jesus zu Christus

GA 69c/1913-11-15/p043 ·1913-11-15 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Wenn Gott außer mir sich in mich ergießen will, wenn ich außerhalb meines Leibes bin, [wenn ich im Weltall aus den Tiefen der eigenen Seele heraus in Gott bin,] wenn ich [mich] in mir zur eigenen Seele erkrafte, dann schaue ich die Geheimnisse der Liebe! - Das konnte sich der alte Mysterienschüler sagen und mit ihm alle anderen Menschen, die Anhänger waren von diesen oder anderen Religionsbekenntnissen. [Es handelt sich nicht um etwas, was außer mir gefasst wird, sondern um etwas, was ich finde, wenn ich die Wege meiner eigenen Seele fortsetzen will, wenn ich von dem ausgehe, was ich im Alltag erlebe: Das Einzige, was wir auf der Erde erleben, wenn wir aus uns selbst herausgehen, das ist die Liebe, die ich im andern Wesen finde - im Übergreifenlassen der einen Seele in die andere Seele.] Man bleibt die Seele, die man ist, wenn man sich in der anderen Seele liebevoll findet; man bleibt das Wesen, das man ist, wenn man sich in dem anderen Wesen liebevoll findet. Der Mensch bleibt und ist immer noch Mensch, wenn er den Christus in sich finden will, und er findet den Christus in sich, weil es durch das Mysterium von Golgatha möglich geworden ist, dass die Seele, wenn sie über sich selber hinausgeht und nun in der Menschensphäre bleibt, zu dem kommt, was das paulinische Wort sagt: «Nicht ich, der Christus in mir!» Es ist ein mystisches Erlebnis, wenn man fühlt, dass ein höheres Selbst, ein höheres Menschentum in einem lebt, dass dieses höhere Menschentum dasjenige ist, was die eigene Seele trägt von Leben zu Leben, von Körper zu Körper, was die Seele einbettet in das Geistige. Es ist das Erleben des Christus in sich - es ist ein mystisches Erleben! Wir können es in Wahrheit nicht erleben, wenn wir nicht durch Entwicklung derjenigen Seelenkraft, die sich in den verschiedenen Erscheinungen der Liebe zeigt, über die Seele selber - aber in ihr [bleibend] - hinausgehen. So erlebt der Mensch mystisch den Christus in sich. Geisteswissenschaft zeigt dann, wodurch gerade dieses Christus-Erlebnis möglich geworden ist, und ich darf mich diesmal vielleicht durch einen Vergleich, der etwas mehr ist als ein Vergleich, verständlich machen.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/69c/1913-11-15/p043.json
Cite: GA 69c/1913-11-15/p043 · edition original