XIV. Wie kann man von übersinnlichen Welten wissen?

GA 69d/1913-03-09/p004 ·1913-03-09 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «Im Anhang Notizen und Berichte von weiteren Vorträgen» (In the appendix, notes and reports of further lectures). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Der Gegenstand des heutigen Vortrages geht von einer Frage aus, welche begreiflicherweise oftmals von denjenigen gestellt wird, die in einer vielleicht äußerlichen Weise von Geisteswissenschaft und Geistesforschung gehört haben und sich aus den Denkgewohnheiten und Vorstellungsarten, die nun einmal in weiten Kreisen der Gegenwart herrschend sind, keinen Begriff davon machen können, wie es möglich ist, Erkenntnisse von den übersinnlichen Welten zu gewinnen. Es ist öfters hier betont worden, dass der Gesichtspunkt solcher Einwendungen gerade demjenigen am begreiflichsten ist, der selber auf dem Boden dieser Geistesforschung steht. Und man darf wohl sagen: Wenn es da Verwunderung geben würde, so müsste man sich mehr wundern darüber, wenn die vom Geistesforscher vertretenen Anschauungen heute in weiteren Kreisen schon Zustimmung fänden, als darüber, dass sie in den allerweitesten Kreisen den denkbar größten Widerspruch hervorrufen - den sie eben hervorrufen müssen. Die ganze Höhe der gegenwärtigen Kultur und die ganze Entwicklung des äußeren wirtschaftlichen Lebens in den letzten Jahrhunderten lässt das begreiflich erscheinen. Es ist ja auch schon öfter betont worden, dass Geisteswissenschaft jederzeit voll anerkennt, was Naturwissenschaft und naturwissenschaftliche Betrachtungsweise für die gesamte Menschheitskultur geleistet haben. Aber gerade die Höhe dieser naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise hing davon ab, dass der Zeitgeist, wenn man dieses Wort gebrauchen darf, eine Weile und Weilen sind in der Menschheitsentwicklung ja lang, dauern Jahrhunderte - eine Weile abgezogen worden ist von der Hingabe an die geistige Welt. Es ist eben deshalb verständlich - weil der Mensch sich von der sinnlichen Welt zum Denken anregen lässt -, dass er die Denkgewohnheiten annimmt, solche Vorstellungsarten, denen die Anschauung der geistigen Welt ungewohnt ist. Aber es ist das nicht nur [so], dass dies allein zur Gegnerschaft führt gegenüber der Geisteswissenschaft, sondern es ist so, dass tiefere Ursachen dabei beteiligt sind, sodass das heutige Thema «Wie kann der Mensch von übersinnlichen Welten etwas wissen?» wohl angebracht erscheint.

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