{"corpus":"steiner","locus":"GA 69d/1913-03-09/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun, das Allererste dazu ist, dass der Mensch durch seine Selbsterkenntnis sich selber als ein übersinnliches Wesen erkennt, sich seine eigene übersinnliche Natur zum Verständnis bringt. Und vieles im Seelenleben des Menschen ist da, was zusammenhängt mit Kulturerrungenschaften der Gegenwart und auch der ganzen Menschheit, was hindernd einer wirklichen Selbsterkenntnis in den Weg tritt. Der Mensch ist in seinem Seelenleben gewissermaßen niemals so richtig mit seiner Seele ganz allein, und er muss es zuwege bringen, mit seiner Seele ganz allein zu sein, wenn er sie in ihrer tiefsten Wesenheit erkennen will. Nämlich wissend [ist er] niemals ganz allein. Aber es gibt doch ein gewisses Alleinsein, das dann eintritt, wenn der Mensch in den Zustand übergeht, in dem er sich seiner äußeren Gliedmaßen nicht bedient, sondern sie der Schwere der Erde übergibt, dem Gedächtnis und dem an die Sinne gebundenen Verstand Stillstand gebietet — das ist ja jeden Tag der Fall, wenn er in den Schlafzustand übergeht. Und gegen die geisteswissenschaftliche Behauptung oder Erkenntnis, dass der Mensch in seiner Leiblichkeit, wenn er in den Schlaf übergegangen ist, nichts darbietet, was dasjenige erklärlich machen kann, was auf- und abflutet in der Seele bis zum Aufwachen, dass die Vorgänge des schlafenden Leibes nichts von dem verständlich machen, was in der Seele während des Schlafens vorgeht - das wird in verhältnismäßig kurzer Zeit schon die naturwissenschaftliche Erkenntnis rückhaltlos zugeben, [und] dass der Seeleninhalt mit dem Aufwachen untertaucht in die Leiblichkeit [und so] - wie beim Einatmen die eingeatmete Luft - ein Stück des eigenen Leibes wird. Ebenso ist es mit dem Einschlafen, da das, was Seeleninhalt ist, aus dem Leibe heraustritt, sodass man es zwischen Einschlafen und Aufwachen tatsächlich zu tun hat mit einer Wesenheit, die getrennt ist von der Leiblichkeit, die keine Werkzeuge darbietet, um das zu beobachten. Man kann also von der schlafenden Seele sagen, dass sie in einer gewissen Beziehung allein ist, das heißt, dass sie nicht so wie der wache Mensch mit der äußeren Welt in Zusammenhang steht durch Verstand und Sinne und Gedächtnis. Aber der schlafende Mensch verliert ja im normalen Leben das Bewusstsein beim Einschlafen; und so muss man sagen, dass [da], wo der Mensch allein ist, er nicht in der Lage ist, die in dem Leibe wohnende Seele zu beobachten. Das ist es auch, was eine wirkliche Selbsterkenntnis unmöglich macht für den gewöhnlichen Menschen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"XIV. Wie kann man von übersinnlichen Welten wissen?","site_heading":null,"date":"1913-03-09","location":null,"word_count":387,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69d/1913-03-09/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69d/1913-03-09/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/69d/1913-03-09/p005","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"mixed_sources","scope":"volume","note":"This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage.","evidence":"Im Anhang Notizen und Berichte von weiteren Vorträgen","evidence_translation":"In the appendix, notes and reports of further lectures","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}