XIV. Wie kann man von übersinnlichen Welten wissen?
Nun fragt es sich aber: Kann der Mensch zu dieser Selbsterkenntnis dennoch kommen? - Es wird uns helfen, wenn wir einen anderen Seelenzustand ins Auge fassen, nicht, um eine Analogie heranzuziehen, sondern um uns die Realität des Seelenzustandes zwischen Schlafen und Wachen vor Augen zu stellen. Also nicht als Analogie [ist das Folgende] gemeint, sondern als Verständigungsmittel, [um] auf das Tatsächliche hinzuweisen: Das ist der «Seelenzustand» des laufenden Jahres. Im Frühling sprießt hervor die uns erhebende, erfreuende Naturwelt, die Pflanzenwelt. Wir sehen sie im Frühling hervorsprießen, im Sommer gedeihen, im Herbst absterben, mit Ausnahme der Dauergewächse; während der Winterzeit [wird sie] in ihren Schoß aufgenommen, sodass sie als Pflanzenwachstum unwahrnehmbar bleibt. Nehmen wir nun an, der Mensch wäre so, dass er, wenn der Frühling eintritt, in der Lage wäre, eine Art anderes Bewusstsein zu erhalten, dass sein Bewusstsein herabgedämpft würde und er gegen den Sommer mehr unbewusst wäre und erst, wenn die Natur abgewelkt, abgestorben ist, wiederum erwachte; dass also auf derjenigen Seite der Erde, auf der jeweilig Sommer ist, das Bewusstsein des Menschen entschlummern würde, dann würde er niemals eine Erkenntnis von der sprießenden und sprossenden Pflanzenwelt haben können. Was zur Sommerzeit die Erde übersät, das würde für den Menschen oder für ein Wesen, das mit seinen Eigenschaften ausgestattet wäre, eine unbekannte Welt [sein], welche auf seine Sinne nicht wirken würde - eine übersinnliche Welt.
Cite:
GA 69d/1913-03-09/p006 · edition original