XIV. Wie kann man von übersinnlichen Welten wissen?
Dieser Zustand unterscheidet sich aber dadurch radikal von dem Schlafzustand, dass die Seele sich ihrer selbst voll bewusst bleibt und doch einen Gedankeninhalt ins Bewusstsein stellt; dann ist die Seele konzentriert auf diesen Gedankeninhalt, dann ist die Seele in Konzentration oder Kontemplation. Dieser Zustand ist nicht leicht herbeizuführen. Lange, sorgfältige, systematische Übungen sind nötig, um diesen Zustand herbeizuführen. Der bewirkt aber in der Seele das Heraufleuchten eines ganz neuen Lebens. Wenn er seine Früchte getragen hat, dann fühlt die Seele, dass jetzt Kräfte erwacht sind, die früher schlummerten. Deshalb kommt es nicht darauf an, was der Meditant in den Mittelpunkt stellt; im Prinzip kommt es darauf an, dass mit der ganzen Anstrengung diese Konzentrierung auf den Inhalt vorgenommen wird. Es ist nun so, wie wenn der Mensch äußerlich durch Tätigkeit seine Muskeln übt; sie werden stärker dadurch. [Um] die Seelenkräfte, die gewöhnlichen handelt es sich nicht [bei] diesen Übungen. Aber weil es sich darum handelt, andere Kräfte aus der Seele herauszuholen, die zum Beispiel darauf abzielen, die Seele energischer, regsamer zu machen, den Teil der Seele zum Beispiel, der im wachen Tagesleben nur schwach anklingt - also nicht auf den Gedankeninhalt kommt es an, sondern darauf, dass die Seele etwas tut, und durch diese Tätigkeit etwas in sich weckt, was zwar auch sonst vorhanden ist, aber in ihr schlummert. Dadurch, durch diese Erziehung zeigt die Seele, dass sie auch allein sein kann, unangewiesen auf ihre Leiblichkeit - ähnlich dem Schlafzustande, aber wieder radikal verschieden.
Cite:
GA 69d/1913-03-09/p012 · edition original