XIV. Wie kann man von übersinnlichen Welten wissen?
Der Mensch erzieht sein Denken an der Sinneswelt, sie ist seine Lehrerin. Dadurch hat er nicht Vertrauen zum Denken als solchem, sondern [zu] einem, das einen Halt an der äußeren Sinneswelt hat. Der Mensch gewöhnt sich dadurch von Anfang an gar nicht daran, an seinem Denken ein solches Instrument zu haben, das ihn durch alle Gebiete seines Lebens zu führen vermag. Dadurch verliert er die Sicherheit; er kommt ins Unsichere, wenn er an etwas kommt, das nicht im gewöhnlichen Alltag an ihn herankommt. Und dadurch ist er gegen die Geisteswissenschaft [eingestellt]. Das ist begreiflich, darüber lässt sich, wie gesagt, nichts sagen. Im Gegenteil, unsere Zeitgenossen können nichts davon machen. Das rührt aber davon [her], dass dieses Denken an der Sinneswelt geschult ist. Es ist, wie wenn der Mensch eintreten wollte in eine Welt, die nicht Sinneswelt ist. Nun wird der Mensch gerade tüchtig an der Sinneswelt, die sein äußeres Denken schult. Das ist deshalb begreiflich, wenn Gebiete auftreten, die auf einem anderen Felde liegen, als was im äußeren Denken [erfahren wird]. Das eine, das Vertrauen in sein Denken, das er fühlt, das Vertrauen wird wankend vor der übersinnlichen Welt.
Cite:
GA 69d/1913-03-09/p016 · edition original