XIV. Wie kann man von übersinnlichen Welten wissen?
Dadurch ist der Geistesforscher radikal verschieden von denen, bei denen Halluzinationen, Visionen, Wahnvorstellungen auftreten, die sie mit Hartnäckigkeit für objektive Dinge nehmen wollen. Das darf der Geistesforscher gar nicht eintreten lassen. Er muss wissen, dass er nur Schattenbilder heraufgeholt hat, dass er sie wieder aus dem geistigen Blick verschwinden lassen muss. Das gehört zu einer gewissen Stufe, dass man die Fähigkeit hat, die [Bilder] wieder auszulöschen. Ja, das Auslöschen - man kann ja sehen, wie habgierig die Seele an ihren Wahnvorstellungen hängt -, dieses Auslöschen gehört zum Allerallerschwierigsten. Warum? Weil nicht nur die Kräfte wachsen, von denen wir gesprochen haben, sondern auch andere, die sonst nur schwach vorhanden sind. Eine Kraft verstärkt sich nämlich mit der Verstärkung der anderen Kraft, das ist der Selbstsinn, die Eigenliebe, die Selbstliebe im gewöhnlichen Leben, der wächst heran wie eine Naturkraft. Im gewöhnlichen Leben wird die Selbstliebe durch moralische Stärke überwunden; Blitz und Donner aber nicht. So aber, wie Naturelemente und Naturkräfte, tritt die verstärkte Selbstliebe, der Selbstsinn, in unserer Seele auf. Daher muss die zur Geistesforschung führende Seelenentwicklung auch dies mit sich bringen, dass der Mensch den verstärkten Selbstsinn in sich überwinden kann, was jetzt wie eine Naturkraft im Menschen ist, [so] dass die Seele sich wie ausgeliefert glaubt. Die gewöhnliche Kraft reicht dazu nicht aus.
Cite:
GA 69d/1913-03-09/p018 · edition original