XIV. Wie kann man von übersinnlichen Welten wissen?

GA 69d/1913-03-09/p026 ·1913-03-09 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «Im Anhang Notizen und Berichte von weiteren Vorträgen» (In the appendix, notes and reports of further lectures). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Und jetzt hat der Mensch die Aussicht, die Unendlichkeitsfrage seines Wesens im Konkreten zu lösen; sonst hat er nur die unüberschaubare Unendlichkeitslinie vor sich. [Er erkennt], wie er immer neue Leben sich aufbaut; die Unendlichkeit setzt sich zusammen aus den einzelnen Erdenleben. Einsehen, Wissen gibt es gegenüber diesen Welten nur auf dem geschilderten Wege. Und wer glaubt, zu einem wirklich befriedigenden Wissen auf einem anderen Wege zu kommen, der geht eben fehl, der sucht auf falschem Wege. Das führt dann sehr leicht dazu, dass man die erschütternden Seelenerlebnisse, die geschildert worden sind, vermeiden will. Viele Menschen wollen [solche] übersinnlichen Erkenntnisse, die eigentlich dem Sinnlichen angehören. Dadurch kommen sie nicht zu einer wirklichen Erkenntnis der Wahrheit. Und man sieht, wie schwierig es für den Menschen der Gegenwart ist, zur Wahrheit zu kommen, auch an den Allerbesten unseres Zeitraums. Da kann man sich nur auf den Standpunkt Schopenhauers stellen, wo er sagt, dass die Wahrheit zunächst paradox erscheint, dass das zu aller Zeit ihr Los gewesen ist. - Heute hat man gegenüber der Geisteswissenschaft einen ähnlichen Standpunkt wie einst gegenüber Galilei, Giordano Bruno, Kopernikus; es muss begriffen werden, dass Geisteswissenschaft heute notwendigerweise denselben Widerständen begegnen muss. Giordano Bruno - der sagte, dass das blaue Himmelsgewölbe nicht Grenze sei, wie man bisher angenommen hatte. Durch dieses Erkennen machte damals die Naturwissenschaft den ungeheuren Schritt vorwärts. Jetzt ist Geisteswissenschaft in derselben Lage: [Eine] Grenze von Geburt oder meinetwegen Empfängnis und Tod [gibt es ebenso wenig] wie einst [die] blaue Grenze des Himmels. Wie Giordano Bruno gezeigt [hat], dass, wenn man sich dieser Beschränktheit des menschlichen Erkenntnisvermögens bewusst wird, man in eine Unendlichkeit hinausschaut und [in] unendliche Welten, eingebettet in dieses Unendlichkeits-Firmament, so [muss es] jetzt der Geistesforscher [tun]. So erlangt man Erkenntnisse der übersinnlichen Welten. Aber schwierig ist es für unsere Zeitgenossen. Sie begreifen, dass diese wiederholten Erdenleben eigentlich die Schicksalsschläge des Menschen aufklären, und gleichzeitig sehen unsere Zeitgenossen ein, wie diese Anschauung uns Mut und Kraft und Zuversicht gibt, weil wir nicht ausgelöscht sind, sondern uns wiederfinden in kommenden Erdenleben. Das sehen manche gerade der Besten unserer Zeit ein. Weil sie aber erwarten, dass die Beweise auf andere Art gegeben werden sollen, als wie geschildert, so verkennen sie gerade, was auf diesem Felde eintritt.

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