XIV. Wie kann man von übersinnlichen Welten wissen?
Man wird also nicht nur die Fragen, wie in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» behandelt, einsehen müssen, sondern auch das «Wie» des Beweises in gehöriger Weise [zu] verstehen [haben]. Sonst ist es so, wie wenn man die Quadratur des Zirkels sucht. «Tröstlicher, gerechter und wahrscheinlicher» kann man die Lehre von den wiederholten Erdenleben ja jetzt schon finden, aber sich nicht durchringen zu ihrer Anerkennung. Dazu wird man sich aber durchringen, wenn man einsehen wird, dass man nicht bloß zum Geistesforscher so sprechen kann. Wohl müssen diese Dinge vom Geistesforscher erforscht werden, aber wenn sie erforscht sind, [dann] sind sie so, dass der physische Verstand sie verstehen kann; nicht Beweise mit seinen Mitteln [gelten hier], sondern Beweise, wie man ein Bild verstehen kann, ohne selbst Maler zu sein. Es ist mit der geistigen Welt so, dass man mit dem physischen Verstand ihre Eigenart vergleichen kann: Unter der Erde die Bergwerke, die Erze, die könnten sich nicht ausgestalten an der Oberfläche der Erde, wo die Sonne unmittelbar die Erze berührt. So [werden] die Ergebnisse der Geistesforschung sich nicht durch gewöhnliches Denken und gewöhnliche Wissenschaft finden. Dazu [sind] die Seelenkräfte [nötig], die geschildert worden sind. Aber wenn erforscht und dann geschildert [wird], kann [das] eintreten, was eintreten würde, wenn das Sonnenlicht in die Erdentiefen hinunterscheinen würde auf das Erz, das erst dann in seinem Glanz und seiner Schönheit würde erscheinen können. So kann der physische Verstand wirklich verstehen, was die Geisteswissenschaft bringt. Erforscht werden muss es aber durch die Seele, die so erzogen worden ist wie geschildert. [Das], was so verstanden wurde, das bildet eine Kraft in der Seele, nicht nur Erkenntnis, denn diese Erkenntnis verwandelt sich sogleich in eine ganz bestimmte Sicherheit der Seele, die ihr inneren Halt gibt. Sie trägt so Früchte, die sich in einem ganz bestimmten Denken, einem ganz bestimmten Fühlen, einem ganz bestimmten Wollen gegenüber sich selbst und der Welt ausnehmen.
Cite:
GA 69d/1913-03-09/p030 · edition original