18. Der Ursprung des Bösen und des Übels im Lichte der Geisteswissenschaft
Nach einigen Jahrhunderten versuchte in philosophischer und mystischer Art Plotin, ein neuplatonischer Philosoph, aus der mystischen Philosophie heraus sich dem Bösen zu nahen. Er sagte sich: Die menschliche Seele kann bei weiterer Entwicklung im Sinne der Vergeistigung mehr in das Geistige untertauchen und sich allmählich von den Gesetzen des materiellen Daseins losringen. - In diesem sahen Plotin, und mit ihm viele Philosophen, dasjenige, was der Feind des Guten ist; er meinte, soweit das Materielle hineinwirke in die Seele, im gleichen Maße dränge sich das Böse herein, und so sah er das Böse in dem gegen das Geistige feindlich gerichteten Materiellen. Aber auch damit kam das mystische Denken nicht an das Problem des Bösen heran: Es ist nicht aufgeklärt worden, warum die materiellen Kräfte dem Guten entgegenstehen und was die menschliche Seele davon haben sollte, dass diese Kräfte in sie hineinspielen können.
Cite:
GA 69d/1914-03-29/p005 · edition original