18. Der Ursprung des Bösen und des Übels im Lichte der Geisteswissenschaft
Dann kam der Versuch der Augustinischen Lösung, die eigentlich keine ist. Bei dieser aber tritt etwas Typisches auf, das von da an immer wieder auftaucht; nämlich Augustinus lässt das Böse gar nicht in seiner Realität bestehen. Er meint, es sei nur das Gute vorhanden, und wie sich das Licht wohl überall, aber nicht in seiner vollen Stärke finde, sondern in den verschiedensten Abstufungen, also sei das Böse mit den Übeln nur ein schwaches Gutes. Derartige Lösungen sind immer wieder aufgenommen worden, sie sind ein Typus dafür, die Welträtsel, die von ihren Vertretern nicht erklärt werden konnten, einfach wegzuleugnen. Wenn zum Beispiel Campbell das Böse nur den Schatten des Guten nannte, so bezweifeln wir wohl mit gutem Grund, dass dadurch das Böse begriffen werden kann; es ist für uns nicht viel mehr, als wenn man sagen wollte: Die Kälte ist nur eine andere, eine Unterart der Wärme, sie ist nichts Positives, sondern etwas Negatives, also brauchen wir keinen Pelz anzulegen, um uns dagegen zu schützen. - Eine derartige Trivialität musste angeführt werden als Einwand, um den Wert der letztgenannten Lösungsversuche zu charakterisieren.
Cite:
GA 69d/1914-03-29/p006 · edition original