18. Der Ursprung des Bösen und des Übels im Lichte der Geisteswissenschaft
So sehen wir, wie jeder in seiner Art durch verschieden tief gehende Philosophie und Mystik dem Rätsel des Bösen und der Übel nahezukommen sucht. Eine gewisse Ohnmacht, sich der Lösung dieses Problems zu nähern, zeigt sich auch bei Lotze, bei jenem geistvollen Philosophen, der auch im Hinblick auf das Böse fest auf dem Boden der Naturwissenschaften zu stehen versucht. Er sagt: Man kann annehmen, dass das Böse in der Welt da sein müsse, damit durch seine Überwindung das Gute herangezogen werden könne. Aber wie ist es mit dem Tierreiche, wo das Böse nicht durch Erziehung überwunden werden kann? Lotze kommt daher zu nichts anderem, als zu sagen: Das Böse ist da, und wir müssen glauben, dass es aus Gründen, die dem Menschen nicht zugänglich sind, der weisen Weltenregierung notwendig zu sein schien. Der menschlichen Erkenntnis sei das Erkennen in dieser Beziehung versagt.
Cite:
GA 69d/1914-03-29/p010 · edition original