18. Der Ursprung des Bösen und des Übels im Lichte der Geisteswissenschaft

GA 69d/1914-03-29/p015 ·1914-03-29 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «Im Anhang Notizen und Berichte von weiteren Vorträgen» (In the appendix, notes and reports of further lectures). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

So sieht man also, wenn man an das Lebensrätsel der Bösen tritt, dass man dann geisteswissenschaftliche Kräfte anwenden muss, die da zeigen, wie man das Böse in seiner wahren Natur als berechtigt anzusehen hat, wenn man es auch als Gutes in seiner ebenso wahren Bedeutung in einer anderen Welt erleben kann. - Die Ereignisse der Sinneswelt und die Geschichte des menschliche Denkens lehren uns, dass, wer in der Sinneswelt stehe bleibt, nicht erklären kann, wie Schmerz und Übel in diese hineinragen können. Schopenhauer und Hartmann legen in ihrer pessimistischen Weltanschauung wohl dar, wie das Übel in der Welt überwiegt, kommen aber doch nicht recht dazu, sagen zu können, wie denk nach ihrer Meinung sich der göttlich-geistige Urgrund von den Übeln des Daseins und wie die Menschenseele sich von dem Bösen befreien kann. Der Geistesforscher findet da, wo Böses, Übel, Schmerz, Leid und so weiter in der physischen Welt auftritt, durch dieses in der geistigen Welt, dass all das Leid als ein Keim erscheint für eine Entwicklung, die später erst erfolgen soll. Wir können uns dieses wieder durch eine Analogie - [nicht, um mich darauf zu stützen, denn auf Analogien stützt sich die Geisteswissenschaft nicht, sondern auf Tatsachen] - klarmachen: Wenn sich ein verzweifelter Mensch vor eine daherbrausende Lokomotive wirft, so geraten zwei Sphären der sinnlichen Welt in Kollision, [die unverträglich miteinander sind]: Was für das Weiterleben des Unglücklichen notwendig ist, wird zermalmt, die Kräfte der Lokomotive, die sonst heilsam sind, schieben sich mit anderen übereinander, mit denen sie zusammen unverträglich sind. Aber es könnte auch der Mensch, wenn er sich rechtzeitig erhebt, gerettet werden, und die Kräfte der Lokomotive könnten im guten Sinne wirksam bleiben, die Seele dieses Menschen würde aus ihrer plötzlichen Sinnesänderung neue Kraft zum neuen Beginn eines weiteren Lebensabschnittes schöpfen können und daran völlig gesunden.

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