20. Wie findet die Seele ihre wahre Wesenheit

GA 69d/1914-05-08/p009 ·1914-05-08 · original (original)
Record: mixed sources. This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage. Evidence: «Im Anhang Notizen und Berichte von weiteren Vorträgen» (In the appendix, notes and reports of further lectures). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

Sehr verehrte Anwesende, wenn diesen Ausspruch auch ein tiefgründiger Geist getan hat, er hat ihn noch in einer Zeit getan, in der vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft nicht gesprochen werden konnte, wie es heute geschehen kann, und in der auch die Menschenseele noch nicht in einem ausgesprochenen Sinne jene Bedürfnisse in Bezug auf das überirdische Leben hatte, die sie heute hat. Man darf sagen: Schon jetzt ist für jede denkende Seele die Zeit gekommen, und sie wird immer mehr und mehr kommen, diese Zeit - nur Kurzsichtige können anderer Meinung sein über diesen Punkt -, es ist die Zeit gekommen und wird immer mehr kommen, wo die Seelen sich beunruhigt fühlen werden, wenn sie empfinden müssen: Ja, die eigentliche Heimat der Seele, dasjenige, was man die geistige Welt nennen muss, ist etwas, wovon die Vorstellung in jedem liebenden Herzen aufgehen muss, aber dasjenige, was wir als Wissenschaft schätzen, dasjenige, wovon die besten unserer Zeitgenossen sagen, dass es allein berechtigt ist, die Wahrheit zu begründen, das wendet sich entweder ab von jeglicher Erforschung der übersinnlichen Welten, oder aber es will sich wenigstens das Recht anmaßen, zu sagen, das menschliche Erkenntnisvermögen sei so beschränkt, so begrenzt, dass es nicht in die übersinnliche Welt eindringen könne und man daher alles Wissen, alle Erkenntnis über diese Welt dahingestellt sein lassen müsse.

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