{"corpus":"steiner","locus":"GA 69d/1914-05-08/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ein anderes ist, ich möchte sagen, etwas, was uns in ein trauriges Kapitel des menschlichen Seelenlebens hineinführen kann. Viele von Ihnen haben gewiss schon gehört, wie das menschliche Seelenleben in radikalen Fällen dadurch gestört werden kann, dass die Rückerinnerung an die eigenen Erlebnisse irgendwie unterbrochen wird. In ganz besonderen Fällen tritt ja ein, dass irgendein Mensch plötzlich sich aus seiner Tätigkeit herausgerissen fühlt; er weiß nicht mehr, was er tut; er hat sein früheres Seelenleben zum Teil oder ganz vergessen; er lebt wie in einem anderen Bewusstseinszustand. Er kann reisen, kann allerlei unternehmen, aber erst später taucht die ungestörte kontinuierliche Erinnerung an seine Erlebnisse wieder auf. Dann wird er urplötzlich gewahr, wer er ist, während er früher sein Ich vergessen hatte. Wenn das auch in dieser radikalen Weise einen Krankheitsfall des Menschen darstellt, so kommt doch die Störung des Erinnerungsvermögens in der menschlichen Seele in mehr oder weniger leichter Weise vor, und diese Dinge könnten viel weniger ins Leben hereintreten, wenn man beachten würde, dass auch diese Kontinuität des Bewusstseins, dieses Überschauen des eigenen Erlebens - so, dass man wirklich immer in starker Weise bei sich selbst ist, davon abhängt, dass man möglichst viel die Tätigkeit der Aufmerksamkeit entwickelt. Und man tut den Kindern für das spätere Alter etwas ungemein Gutes, wenn man sie anhält, das Interesse auf einzelne Vorgänge und Wesenheiten zu konzentrieren. Man stärkt ihre Willenskraft, insofern sie sich aus den zusammenhängenden Erfahrungen des Lebens ergibt, und auch ihre Urteilskraft durch die Aufmerksamkeit. Wenn man aber so ins gewöhnliche Seelenleben hineinsieht, so muss man doch sagen: Zwischen den Zeilen des Lebens vollzieht sich die Aufmerksamkeit.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"20. Wie findet die Seele ihre wahre Wesenheit","site_heading":null,"date":"1914-05-08","location":null,"word_count":267,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69d/1914-05-08/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69d/1914-05-08/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/69d/1914-05-08/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"mixed_sources","scope":"volume","note":"This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage.","evidence":"Im Anhang Notizen und Berichte von weiteren Vorträgen","evidence_translation":"In the appendix, notes and reports of further lectures","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}