{"corpus":"steiner","locus":"GA 69d/1914-05-08/p020","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Geistige Chemie! Nun, wenn wir den Ausdruck gebrauchen wollen als einen solchen, der uns die Sache begreiflich machen soll: Wenn man Wasser ansieht, so sieht man ihm nicht an, dass der Chemiker Wasserstoff von diesem Wasser abtrennen kann, denn Wasserstoff kann man im Wasser nicht sehen. Das Wasser löscht das Feuer, der Wasserstoff brennt. So wenig nun das Wesen des Wasserstoffes gesehen werden kann, wenn man das Wasser vor sich hat, so wenig kann im Menschen, der im Leibe vor uns steht, das Wesen der Seele gesehen werden. So aber, wie der Chemiker den Wasserstoff absondert von dem Wasser als etwas, was ganz andere Eigenschaften als das Wasser hat, so sondert der Geistesforscher, allerdings, indem er seine eigene Seele zum Werkzeug seiner Forschung macht, seine Seele ab von dem Leibe durch Konzentration, sein Geistig-Seelisches sondert er aus dem Physisch-Leiblichen heraus. Wenn eine abstrakte, nicht die Tatsachen berücksichtigende monistische Naturwissenschaft oder Weltanschauung das einen Dualismus nennt, kann man einen solchen Vorwurf ruhig ertragen. Ebenso gut könnte man sagen, im Wasser sei Dualismus; das Wasser ist nicht bloß eine Einheit, ein Monos, sondern damit man es kennenlernt, muss man herausziehen den Wasserstoff. So wie der Wasserstoff durch physische Chemie herausgehoben werden kann aus dem Wasser, so wird das Geistig-Seelische durch Vorgänge, wie der geschilderte einer ist - andere solche Vorgänge finden wir in den genannten Büchern -, so wird das Geistig-Seelische abgetrennt vom Physisch-Leiblichen. Und der Geistesforscher erlebt dann den bedeutsamen, den großen Augenblick, dass er wirklich mit den Worten einen Sinn verbinden kann, mit denen man, wenn man nichts weiß von den Tatsachen des geistigen Erlebens, keinen Sinn verbinden kann: Ich erlebe mich als seelisch-geistiges Wesen unabhängig von meinem Leibe außerhalb meines Leibes. - Und da ich nicht in Abstraktionen sprechen will, sondern von den Tatsachen des geistigen Erlebens, von den Tatsachen der Auffindung der wahren Wesenheit der Seele, will ich auch nicht damit zurückhalten, einzelne Erlebnisse, die der Geistesforscher durchmacht, zur Darstellung zu bringen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"20. Wie findet die Seele ihre wahre Wesenheit","site_heading":null,"date":"1914-05-08","location":null,"word_count":324,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69d/1914-05-08/p020","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69d/1914-05-08/p020"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/69d/1914-05-08/p020","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"mixed_sources","scope":"volume","note":"This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage.","evidence":"Im Anhang Notizen und Berichte von weiteren Vorträgen","evidence_translation":"In the appendix, notes and reports of further lectures","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}