20. Wie findet die Seele ihre wahre Wesenheit
Man kann das innere Erleben, das man hat, wenn man die Denkkraft losgelöst hat, vergleichen mit einem inneren, rein seelischen Mienenspiel. Denn so passiv, wie wir mit unseren Sinnen der äußeren Welt gegenüberstehen, können wir der geistigen Welt nicht gegenübertreten. In dem Augenblick, wo wir uns mit der Denkkraft außerhalb des Leibes erleben, muss sie immer in Tätigkeit erhalten werden. Das ist der Unterschied des geistigen Wahrnehmens vom physischen Wahrnehmen. Im physischen Wahrnehmen können wir denken und uns dem Denken hingeben; sobald wir in die geistige Welt mit der emanzipierten Denkkraft hineintreten, müssen wir immer aktiv sein; wir müssen hinüberschlüpfen in die geistigen Wesenheiten, die wir wahrnehmen wollen. Wir müssen immer tätig sein. Wenn wir aufhören, tätig zu sein, hört auch das geistige Wahrnehmen auf. Man kann dieses Wahrnehmen ein inneres Mienenspiel nennen. Man muss immer, willkürlich, das ausdrücken, was die Wahrnehmung ist, was man von dem anderen Wesen dadurch wissen kann, dass man das eigene emanzipierte Denken anpasst den Vorgängen und Wesenheiten, die man wahrnimmt.
Cite:
GA 69d/1914-05-08/p028 · edition original