20. Wie findet die Seele ihre wahre Wesenheit
Der Geistesforscher lernt sie kennen, diese Stimmung. Und er lernt kennen eine andere, die man mit einem «Hinunter» bezeichnen kann, die Stimmung, wo die Seele fühlt, wie wenn sie sozusagen ihr eigenes Seelen licht ausstrahlte. Wie wir im physischen Leben dadurch dass die Sonne die Dinge bescheint, die Dinge sehen und wahrnehmen, so müssen wir in der geistigen Welt das Geisteslicht selbst über die Dinge strömen lassen. Und die Momente der Einsamkeit strömen dann in uns ein wenn wir erlahmen, die innere Sonne leuchten zu lassen. Wenn das Licht der inneren Sonne leuchtet, dann breiten wir uns gleichsam über die Welt der anderen Wesen aus. Das, was man «geistige Geselligkeit», «geistiges Zusammensein» nennen könnte mit den Seelen, die vor oder nach uns dahingestorben sind, mit denen wir zusammen gelebt haben, oder denen, die auf der Erde sind - denn vom Geisterland aus nehmen wir wahr die Seelen, die noch auf der Erde verkörpert sind -, dieser Zustand, geistig-seelisch wahrzunehmen, darin zu leben, der wechselt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ab mit dem Zustand der Einsamkeit. Mit derselben Regelmäßigkeit wechseln die beiden Zustände ab, wie Tag und Nacht für unser physisches Leben abwechseln. So erwirbt man sich die Fähigkeit, sich gleichsam vereinsamt, aber mit einer inneren Welt zu fühlen, sich ausgegossen zu fühlen über die geistige Welt und ihre Wesenheiten und Vorgänge. Aber noch andere Kräfte, die mit rechts und links, vorne und hinten sich vergleichen lassen, lernt man kennen. Dadurch aber, dass man sich in diese Kräfte einlebt, dass die Seele diese Kräfte, von denen man im gewöhnlichen Leben nichts weiß, sondern die im Unterbewussten zustande kommen, wenn die Seele sich die erste Physiognomie für die Welt gibt, wenn man alle diese Kräfte, von denen die Aufrichtekraft die eine ist, entwickelt, dann erlangt man die Fähigkeit, weiter sich hineinzuleben in die geistige Welt, in die Welt der geistigen Wesenheiten, die um uns sind, dann kommen wir ganz aus uns heraus. Wir schauen unseren Leib außer uns und wir können eingehen in die anderen geistigen Wesenheiten, wir können ihre Physiognomie annehmen. Denn während wir hier die erste Physiognomie, unseren aufrechten Gang, ausbilden, müssen wir in der geistigen Welt die innere Konstitution der geistigen Wesen annehmen. So verbindet sich gleichsam die Seele mit der Welt, in der ihre geistige Wesenheit wirklich wurzelt.
Cite:
GA 69d/1914-05-08/p032 · edition original