20. Wie findet die Seele ihre wahre Wesenheit
Nur wie in einer Zwischenbemerkung möchte ich erwähnen - ohne mit der Sache zu renommieren, sondern weil sie als Tatsache jetzt schon erwähnt werden darf -, dass doch schon einiges Verständnis vorhanden ist für diese Welt, die sich den Menschen als Wissenschaft vom Geiste erschließen soll als eigentlich göttlich-geistige Welt, in der die Seele in Wahrheit wurzelt. Dass beginnt, ein Verständnis sich zu regen in der Welt, das bezeugt doch die Tatsache, dass mit verhältnismäßig großen Mitteln an einem Punkte der Schweiz, in Dornach bei Basel, nun dieser Wissenschaft schon eine Stätte, wir nennen sie eine «Hochschule für Geisteswissenschaft», erbaut werden kann, eine Stätte, die mehr als aus irgendeinem anderen Grunde erbaut werden soll, damit man auch in Bezug auf den Stil, das Künstlerische, einmal einen Bau habe, der auch in seinen äußeren Formen dasjenige ausdrückt, was in die Seele von göttlich-geistigem Leben hineinfließt, wenn sie ihre wahre Wesenheit ergründet. Er steht schon in seiner Form da, der Bau, muss nur äußerlich und innen vollendet werden, als ein zweikuppeliger Holzbau, und er wird äußerlich, künstlerisch zum Ausdruck bringen das, was Geisteswissenschaft will. Eine Anzahl von Freunden der Geisteswissenschaft hat sich zusammengetan, um die immerhin nicht ganz geringen Mittel zu diesem Bau aufzubringen. Wünschenswert wäre es nur, dass man diesen Bau nicht so verstehen würde, wie es ein eben in Paris erschienener Zeitungsartikel, der durch alle Welt geht, schildert, sondern dass er verstanden werde als eine erste Stätte, die der Wissenschaft des Geistes, der Wissenschaft von dem göttlichen Ursprung der Seele, der Wissenschaft von der Seele wahrer Wesenheit, gewidmet wird, so wie der Geistesforscher nach seiner Erkenntnis glauben muss, dass diese Wissenschaft heute schon ersehnt wird von den Seelen, von zahlreichen Seelen, die es noch nicht wissen, die sie aber doch ersehnen, so wie es immer mehr und mehr ersehnt werden muss und ersehnt werden wird in der Zukunft von der Menschenseele. Man darf mit einer gewissen Befriedigung auch auf dieses äußere Wahrzeichen, den imposanten Bau, den wir aufrichten durften, hinweisen für den Eindruck, der doch durch die Geisteswissenschaft schon auf einzelne Seelen hat gemacht werden können, wenn man auch heute noch Missverständnis auf Missverständnis begegnet, wenn man von dieser Geisteswissenschaft redet.
Cite:
GA 69d/1914-05-08/p035 · edition original