20. Wie findet die Seele ihre wahre Wesenheit
Aber auch heute darf ich wohl einen Vergleich aussprechen in Bezug auf die Gesinnung, die den Geistesforscher beseelt, auch wenn er sieht, wie eine Welt von Vorurteilen sich gegen die Geisteswissenschaft auftürmt. Da muss der Geistesforscher denken: Es gab einmal eine Zeit, wo die Menschen hinaufschauten, so weit ihre Augen reichten; da sahen sie das blaue Himmelsgewölbe und sie sagten, indem sie ihren Sinnen vertrauten: Da oben ist das Himmelsgewölbe, da ist der Mond, die Sterne, die Sonne, die wandern an diesem Himmelsgewölbe hin und her. - Dann kam Kopernikus, kam Giordano Bruno, einsam standen sie vor ihren Zeitgenossen da und verkündeten ihnen: Das, was ihr glaubt mit euren Augen zu sehen, das ist nicht im Raum. Dieses blaue Himmelsgewölbe ist das Erzeugnis eures beschränkten Schauvermögens; da ist keine Grenze; in die Unendlichkeit des Raumes hinaus weitet sich die Welt und unendliche Welten sind eingebettet in diese Weiten. Das Firmament macht ihr nur selbst durch die Beschränktheit eures Erkennens.
Cite:
GA 69d/1914-05-08/p036 · edition original