20. Wie findet die Seele ihre wahre Wesenheit
Der Geistesforscher weiß heute, dass, so wie einstmals für die Leute, die nur den Sinnen vertraut haben, das Firmament als eine reale Grenze der Welt da war, nicht, weil es da war, sondern weil das Erkenntnisvermögen es hinsetzte, ebenso das Eingeschlossensein zwischen Geburt oder Empfängnis und Tod ein zeitliches Firmament ist, das der Mensch sich selbst macht. Und die Geistesforschung muss heute vor dieses zeitliche Firmament von Geburt oder Empfängnis und Tod hintreten, wie Giordano Bruno hintrat vor das räumliche Firmament, und sagen: Hinter Geburt und Tod liegt die geistige Welt, liegt ausgegossen in der Zeit das Leben, das in unendliche Wiederholungen des Erdenlebens eingebettet ist, nach vorwärts und rückwärts, wie die unendlichen Welten, auf die Giordano Bruno einst hinwies. - Und so wahr sich die Menschen gewöhnt haben, das räumliche Firmament nicht mehr als Grenze zu sehen, so wahr werden die Menschen sich gewöhnen, das Hineinziehen in den Leib, das Hinausgehen aus dem Leib, anzusehen als ein zeitliches Firmament, jenseits dessen die geistige Welt ist, in der wir mit Kräften leben, die uns die Geisteswissenschaft offenbart.
Cite:
GA 69d/1914-05-08/p037 · edition original