IX. Irrtümer der Geistesforschung

GA 69e/1913-01-03/p010 ·1913-01-03 · original (original)
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Wie verhält es sich denn eigentlich mit diesen Standpunkten? Derjenige, der das menschliche Seelenleben im Verhältnis zu dem übrigen Dasein ins Auge fasst, der wird bei der entsprechenden Vertiefung bemerken können, dass Idealismus, Materialismus, Realismus und so weiter als menschliche Meinungen deshalb entstehen, weil der Mensch immer nur ein beschränktes Gesichtsfeld hat und sich aus diesem dann seine Meinung bildet; und diese seine Meinung liebt er, und die Liebe ist es eigentlich, die ihn für diese Meinung begeistert und die es macht, dass er diese Meinung für das einzig Mögliche hält und andere Standpunkte bekämpft. Diese Liebe ist im Grunde genommen Selbstliebe. Das, was wir uns errungen haben, was mit uns so zusammenhängt, dass wir eigentlich die Sache selbst werden - es ist begreiflich, dass wir es lieben. Geben wir es auf, so geben wir uns selbst auf. Das ist ja das Bedeutungsvolle des Hängens an gewissen Lebensstandpunkten, dass jeder fühlt: Wenn er sie aufgibt, gibt er sich selbst auf, denn sein ganzes Ich hat die Färbung des Standpunktes angenommen. Der Mensch kann nicht anders als diesen Standpunkt bejahen.

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