IX. Irrtümer der Geistesforschung

GA 69e/1913-01-03/p012 ·1913-01-03 · original (original)
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Und so könnte man alle geistigen Richtungen charakterisieren; man würde sie immer wieder zurückführen müssen darauf, was die Menschen für Anlagen und Verhältnisse haben. Solche aber, die zu einem umfassenderen Horizont gekommen sind, wie Goethe, die wussten, - und das weiß jeder, der unbefangen die verschiedenen Weltanschauungen betrachten kann — Goethe wusste, dass alle Standpunkte eine gewisse Einseitigkeit haben und dass man im Grunde genommen für und gegen jeden Standpunkt vieles vorbringen kann. Das sehen allerdings auch manche andere Menschen ein, dann kommen sie leicht zu der Meinung, dass zwischen den verschiedenen Standpunkten die Wahrheiten der Mitte liegen, wodurch sozusagen ein Ausgleich gefunden werden kann. Derjenige aber, der auf diesem Gebiet die Wahrheit kennenlernen will, ist zu vergleichen mit einem Menschen, der sich zwischen zwei Stühle setzt. Das Richtige aber würde es sein, je nachdem die Verhältnisse es ergeben, eben beide Stühle zu benützen. Dazu wird derjenige kommen, welcher menschliche Meinungen in ihr Verhältnis zu bringen versteht zu dem umfassenden Weltganzen.

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