IX. Irrtümer der Geistesforschung

GA 69e/1913-01-03/p013 ·1913-01-03 · original (original)
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[Goethe sagt]: Nicht zwischen den verschiedenen Standpunkten liegt die Wahrheit, sondern zwischen diesen liegt erst die Aufgabe, der Weg zur Wahrheit. Was heißt das? Das heißt: Wenn man die einzelnen Weltanschauungen betrachtet, muss man sagen: Der Materialismus ist voll berechtigt auf materiellem Gebiet, und derjenige, der mit Spiritualismus die materielle Welt erklären will, wird nichts zutage bringen. [In] die Welt des Materialismus gehören Begriffe des Materialismus, und der Fehler des Materialismus ist nicht der, dass Materielles mit Materialismus erklärt wird, sondern, dass man auch das geistige Gebiet mit Materialismus erklären will. Umgekehrt ist es für den Spiritualismus. Der schwärmerische Idealist wird überall vom Geistigen und geistigen Kräften reden; er ist wie einer, der eine Uhr betrachtet und das Werk der Uhr nicht auf mechanischem Wege erklären will, sondern einen Dämon darinnen sucht, der die Zeiger vorwärts rückt. Das ist das, worauf man kommt und kommen muss, wenn man über die verschiedenen Weltanschauungen, die doch nur Meinungen sind, zur Wahrheit kommen will: dass man das Berechtigte und Begrenzte der verschiedenen Anschauungen ins Auge zu fassen vermag.

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