IX. Irrtümer der Geistesforschung
In unseren Ideen der Geistesforschung, wie sie jetzt versuchen, sich hineinzustellen in das geistige Kulturleben der Gegenwart, nennen wir diesen Geist, der in der Materie lebt und dort als eine Kraft wirkt, die den Menschen verfinstert gegenüber der geistigen Welt, den ahrimanischen Geist. Es ist dieser Geist derselbe, den Goethe darstellt im Faust als Mephisto, der den Faust begleitet, der jeden Menschen begleitet, weil jeder Mensch sich mit der materiellen Welt befassen muss. Das also ist die Kraft, die uns verfinstert gegenüber der geistigen Welt. Die Materialisten können wohl den Geist ableugnen mit ihren Begriffen, aber es wäre ein schwerer Irrtum, zu glauben, dass sie der Realität des Geistes etwas anhaben können. Er rächt sich an ihnen und verdunkelt ihre Anschauungen. Das ist die eigentümliche Wirkung in der Seele des Materialisten, dass dieser Geist einen Wall aufrichtet, dass der Mensch die geistige Welt nicht schauen kann; so leugnet der Materialist die geistige Welt, weil der Geist der Materie ihm dieses Leugnen eingibt. Leugnen kann man ihn, aber sich ihm nicht entziehen, und das, was als Materialismus herumschwirrt in der Welt, ist tatsächlich die Eingebung des [ahrimanischen] Geistes. Recht hatte Goethe, indem er seinen Faust so den Müttern entgegentreten lässt, dass Mephisto das geistige Reich als ein Nichts vorführt. Faust aber sagt: «In deinem Nichts hoff’ ich das All zu finden.» - Der Materialist sollte sich gestehen, dass er zu einem gewissen Völkchen gehört, von dem Mephisto sagt:
Cite:
GA 69e/1913-01-03/p016 · edition original