IX. Irrtümer der Geistesforschung
Nehmen wir nun den Standpunkt des Idealisten. Er will nichts wissen vom Materialismus, er hat sich Vorstellungen und Empfindungen gebildet, die ihn nur in geistige Sphären führen. Einem solchen wird es gewiss nicht einfallen, das Gesagte auf sich anzuwenden, aber die Einseitigkeit des idealistischen Standpunktes zeigt sich gerade in diesen Punkten. Wenn der die Materie ablehnende Idealist die gestern angeführte Methode auf sich anwendet und Einlass gewinnt in die geistige Welt, tritt ihm dort seine Art des Vorstellens und Empfindens, seine ganze Gesinnung entgegen; er trägt sie in diese Welt hinein, und die Folge davon ist, dass dieser Mensch zwar eintreten kann in die geistige Welt, aber er sieht alles durch die Brille seiner Meinung, seiner Vorstellungen, und [er sieht], dass es in der geistigen Welt eine große Summe von solchen Wesenheiten gibt, die man dämonische Naturen nennt, die nicht in der äußeren Welt auftreten, sondern in der geistigen Welt leben - es sind Wesen mit einem zu geringen Gewicht für unsere Welt - und die den Menschen von der Welt ablenken, zu der er doch gehört, da er als Mensch in einem physischen Leibe geboren ist; so wird der Idealist, wenn er engherzig ist, sehr leicht hineingetrieben werden in gewisse Methoden in der Welt, die wir die dämonische[n] nennen. Er steht dort so fest, dass er, wenn er früher von der Materie sozusagen nichts verstand, sie jetzt flieht. Die Menschen kommen dann in alle möglichen falschen asketischen Richtungen hinein. Er will mit der Materie gar nichts mehr tun haben, und sein Irrtum führt ihn zu einer Entfremdung mit der Welt, zu der er doch gehört. Er verfällt in Einsamkeit.
Cite:
GA 69e/1913-01-03/p019 · edition original