IX. Irrtümer der Geistesforschung
Da kommen wir dazu, die Tiefe unseres eigenen Wesens, die uns im Leben erspart blieb, zu schauen, und man darf sagen: Wohltätig ist diese Welteinrichtung, dass dieser Hüter der Schwelle sich verbirgt für das gewöhnliche Leben, denn Sie können sich leicht denken, dass der Mensch nicht immer stark genug ist, dasjenige, was er am meisten lieben muss, aufzugeben; Furcht und Schrecken vor sich selbst sozusagen würde den Menschen, der nicht vorbereitet und reif ist für die wahre Selbstschau, befallen in einem Maße, die sein inneres Seelenleben in Ungleichmäßigkeit bringen müsste. Daher verläuft alle wirkliche Schulung zu dem Weg in die geistige Welt hinein so, dass der Schüler vor der Begegnung mit dem «Hüter der Schwelle» reif gemacht wird dazu. Dass man das ausspricht, was soeben ausgesprochen wurde, kann niemals in Furcht versetzen. Erst wenn man die eigene Wesenheit vor sich hat, fühlt man, dass sie dasjenige ist, was einen hindern würde, wenn man sie nicht neben sich hätte und anschauen würde, jemals in die geistige Welt in Wahrheit einzutreten. Wahr sehen wir die geistige Welt erst dann, wenn wir diesen Hüter der Schwelle aus uns gestellt haben, wenn wir ihn betrachten als eine andere Wesenheit, das heißt wiedergeboren sind; dann können wir erst beurteilen, wie das, was wir bisher waren, die Quelle aller Irrtümer ist.
Cite:
GA 69e/1913-01-03/p027 · edition original