IX. Irrtümer der Geistesforschung

GA 69e/1913-01-03/p031 ·1913-01-03 · original (original)
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Wenn man sich auf eine solche Weltanschauung einlässt, braucht man nicht selbst Geistesforscher zu sein, um zu sehen, ob seine Lehren Wahrheit sind. Der Mensch muss die Selbsterkenntnis durchmachen, zur Sicherung, zur Erhöhung seines Lebens. Das gilt durchaus, dass, wenn der Geistesforscher das, was er erforscht hat, in menschliche Ideen formt und bildet, dass dann jeder, der nur unbefangen genug ist, diese Bilder verstehen kann. Und deshalb muss durchaus betont werden, dass der richtige Weg des Zuhörers zum Geistesforscher nicht der ist, sich gläubig der Autorität des Geistesforschers hinzugeben, sondern das richtige Verhältnis des Zuhörers zum Bekenner ist das, welches hervorgeht aus der freien Beurteilung des Zuhörers. Der Geistesforscher kann selbst nur zu einem richtigen Urteil über das, was er schaut, kommen, wenn er seinen gesunden Menschenverstand, sein gesundes Denken, anwendet und wenn dieses Denken moralisch und intellektuell gesund ist. Damit stehen wir aber auf dem Punkt, wo wir nicht nur von den Irrtümern selbst sprechen können, sondern auch von den Irrtümern, die sich bei der Verbreitung der Geistesforschungen ergeben, und die sind sehr wichtig. Nicht einzelne Irrtümer können angegeben werden und ihre Vermeidung, sondern es kann nur gesagt werden, dass, wer immer gewissenhafter und gewissenhafter zur wahren Geistesforschung vordringt, der die Irrtümer vermeidet, die überall lauern. Wir werden den Irrtum bekämpfen, wenn wir uns selbst erkennen. Irrtümer ergeben sich auch, wenn nicht das richtige Verhältnis besteht zwischen denen, die Bekenner sind, und dem Geistesforscher selbst. Da haben wir ja auch heute alle möglichen Standpunkte. Eine große Zahl unserer Zeitgenossen lehnt alles ab, was von der Geistesforschung kommt. Der Geistesforscher kann solche Standpunkte verstehen. Deshalb findet er so viel Gegnerschaft, weil Geistesforschung etwas ist, was sich neu hineinstellt in unsere Kultur und worauf das Denken noch nicht eingestellt ist. Das ist die eine Art, wie heute der Geistesforschung begegnet wird. Eine Anzahl von diesen Menschen kommen allerdings, wenn sie einsehen die Irrtümer des Materialismus und nähern sich allmählich den Ergebnissen der Geistesforschung. Anders ist es bei den Bekennern. Ebenso viel wie Kritik [Lücke in der Mitschrift] der Geistesforscher erlebt sie auf der anderen Seite an falscher Bekennerschaft, die Autorität anerkennt und nicht sieht, dass alles geprüft werden kann. Vor einer genauen Prüfung schreckt der Geistesforscher nicht zurück, nur vor derjenigen Prüfung, die hervorgeht aus halber Wissenschaftlichkeit, aber nicht Genauigkeit. Es ist der richtige Standpunkt, das zu nehmen, was der Geistesforscher bietet, sich anregen zu lassen und dann durch den Verstand zu prüfen, durch den es prüfbar ist. - Aber neben den ablehnenden Menschen gibt es viele, die es bequemer finden, statt zu prüfen einfach zu glauben. Und von diesen Menschen geht ja die Art von Bekennerschaft aus, die vor allen Dingen zu Irrtum über Irrtum bei der Verbreitung der Geistesforschung führt. Weil man nicht prüft, sondern hinnimmt das, was der Geistesforscher gibt, so gilt der Geistesforscher einem solchen gläubigen Bekenner als so etwas wie ein höheres Tier. Weil er hineinschaut in die geistige Welt, gilt er als ein höheres Wesen.

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