IX. Irrtümer der Geistesforschung
Ich will einen Vergleich anführen: Denken wir uns einen jungen Menschen, der bis zum achtzehnten Jahre von der Tasche seines Vaters gelebt hat, es sei angenommen, dass es nicht ein schlechtes Leben war. [Als] er 18 Jahre [alt] ist, verliert der Vater sein Vermögen. Er war vorher gerade nicht schlecht [gestellt], er kommt aber in diese üble Lage; jetzt muss er erst etwas Ordentliches lernen, während er früher nichts Ordentliches gelernt hat. Nun wird er in dieser Zeit seines Lebens diesen Schicksalsschlag als etwas recht Schweres, durchaus als unverdient betrachten. Wenn er 50 Jahre alt ist, wird er vielleicht zurückblicken und sich sagen: Wäre das dazumal nicht geschehen, dann wäre ich jetzt ein Taugenichts und wüsste gar nichts von der Welt. Mit 50 Jahren wird er [es] ganz anders beurteilen als mit 18 Jahren.
Cite:
GA 69e/1913-01-03/p055 · edition original