IX. Irrtümer der Geistesforschung
Rudolf Steiner: Diese Frage ist mit einfachem «Ja» nicht sinnvoll zu beantworten, weil das, was der Geistesforscher gewissermaßen imaginär als Vision wahrnimmt, sich nur dem Grade nach der völligen Objektivität anlehnt, und in höheren Welten in höherem Grade gilt, was auch in der sinnlichen Welt [gilt], dass man die Dinge von einem verschiedenen Standpunkte aus betrachten kann. Wenn eine Reisebeschreibung von derselben Gegend von zwei Menschen gemacht wird, wird trotzdem ein großer Unterschied da sein. Aber man braucht deshalb nicht überhaupt zu zweifeln, dass es diese Gegenden gibt. Und wenn wir in den immerfort flüssigen, flüchtigen Astralleib hineinschauen, dann ist es begreiflich, dass das äußere Bild verschieden sich darstellt, trotzdem die Realität ganz dasselbe ist. Deshalb kann man diese Frage wohl bejahen, wenn auch die äußeren Bilder verschieden sind, aber nicht mehr verschieden sind, als wenn zwei Menschen ein Bild von einem physisch-sinnlichen Gegenstand entwerfen; das Sehen und die Darstellung sind in einer gewissen Weise verschieden. Alles kommt an auf die Objektivität des Beobachters; es wird immer vorausgesetzt, dass wirkliche Geistesforscher die Dinge beschreiben.
Cite:
GA 69e/1913-01-03/p059 · edition original