XVIII. Die Geisteswissenschaft und die Geistigen Ziele Unserer Zeit

GA 69e/1913-12-01/p003 ·1913-12-01 · original (original)
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Seit einer Reihe von Jahren durfte ich fast in jedem Winter hier sprechen über das eine oder andere Thema aus dem Gebiete der Geisteswissenschaft, wie sie in den Betrachtungen des heutigen Abends wiederum gemeint ist. Und gerade bei Anlass meiner letzten Vorträge, die ich hier halten durfte, gestattete ich mir, die Bemerkung zu machen, dass, wenn man heute in unserer Gegenwart in dem Sinne, wie er hier gemeint ist, über Geisteswissenschaft spricht, dass man dann keineswegs über irgendetwas in unserer Zeitin weiteren Kreisen Bekanntes oder gar Beliebtes spricht; dass man im Gegenteil mit dieser Geisteswissenschaft über etwas zu sprechen hat, das im weitesten Kreise verkannt und vor allen Dingen missverstanden wird. Ja, gegen Missverständnisse über Missverständnisse hat diese Geisteswissenschaft zu kämpfen. Der eine ist der Meinung, wenn er sich durch irgendwelche Nachrichten aus zweiter, dritter, manchmal auch siebenter Hand oder achter Hand über die Dinge dieser Geisteswissenschaft unterrichtet, dass sie vor allen Dingen so etwas ist wie eine neu in die Welt hereintretende Sekte oder irgendein neuer Versuch, eine Religionsgemeinschaft zu begründen oder dergleichen. Der andere kommt zu der Meinung, dass diese Geisteswissenschaft Phantastik und 'Träumerei zu ihren Quellen habe. Dass sie vor allen Dingen im eminentesten Sinne widerspreche dem, was heute als Weltanschauung sich festlegen will, wie man so sagt, echter, wahrer Wissenschaft.

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