XVIII. Die Geisteswissenschaft und die Geistigen Ziele Unserer Zeit
Aber ein Teil - und gewiss nicht der Teil, der am wenigsten wert ist - von Gedanken, die erst im letzten Jahrhundert sich in die menschliche Seele gesenkt haben, ein Teil dieser inneren Errungenschaften, von dem, was wir erfahren haben über die Geheimnisse des Weltendaseins gerade durch die Naturwissenschaften, kann so verwendet werden wie der Same, der in den Acker übergeht, auf dass er neue Früchte zeitigt. Das ist der Teil, den wir zu dem verwenden, was mit dem Ausdruck Meditation, Konzentration des Denkens belegt wird. Wir können diesen Teil der naturwissenschaftlichen Gedanken und Vorstellungen innerlich mit der Seele verarbeiten, sodass wir sie in unserer Seele wirken lassen, dass wir sie da drinnen gleichsam keimen lassen. Unter dem Einfluss dieser Gedanken, denen wir uns meditierend hingeben, die wir in allerinnerster, intimer Seelenarbeit üben, können wir gerade diese naturwissenschaftlichen Ideen so auf unsere Seele wirken lassen, dass sie darinnen arbeiten, wirken, weben, hervorholen Empfindungen und Gefühle, dass sie dieses Seelenleben so innerlich üben, dass dieses Seelenleben nicht nur das heute so beliebte Wort «Entwicklung» ausspricht, sondern selber in Entwicklung kommt. Gerade die naturwissenschaftliche Denkweise, wenn sie meditativ verarbeitet wird, gestaltet unsere Seele um, macht unsere Seele zu etwas anderem. Und gleich wird es sich ergeben, wie von diesem Gesichtspunkte aus Geisteswissenschaft die richtige Fortsetzung ist der naturwissenschaftlichen Denkweise. Aber in Bezug auf diese Geisteswissenschaft werden, wenn solche Betrachtungen angestellt werden, wie das heute der Fall sein soll, nur Anregungen, nur Mitteilungen über die Forschungsweise gegeben werden können, durch die der Geistesforscher selber sich der Versenkung hingeben kann, die Mittel, durch deren Wirkung jeder überzeugt werden kann.
Cite:
GA 69e/1913-12-01/p011 · edition original