{"corpus":"steiner","locus":"GA 69e/1913-12-01/p016","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dann aber, wenn also die Seele hinausgeführt wird, sodass sie über sich als Seele den ureigenen Wesenskern erfasst, dann kommt sie zunächst zu einer Wahrheit, die im echtesten Sinn des Wortes die Fortsetzung der Erkenntnisse der Naturwissenschaft darstellt, die aber heute noch überall, wo man sich nicht genauer mit ihr befasst hat, als Phantasie angeschaut wird, man kommt zur Wahrheit von den wiederholten Erdenleben, jener Wahrheit, welche mit kurzen Worten so auszudrücken ist, dass gesagt wird: Was wir erleben und erarbeiten in diesem Leben zwischen Geburt und Tod, das erleben und erarbeiten wir nicht bloß einmal. So, wie wir unser Leben erblicken, wenn wir zurückschauen in die Kindheit, so weit wir können, und so, wie wir unser Leben erhoffen in Beziehung auf den Rest des Lebens vor dem Tode, so leben wir nicht nur einmal. Wir gehen durch die Pforte des Todes durch, wir durchleben in einer rein geistigen Welt, die nur mit dem Geiste erschaut werden kann, ein Leben zwischen Tod und neuer Geburt und treten dann mit den Früchten dieses Lebens, auch mit denen, die wir zwischen Tod und neuer Geburt sammeln, in ein neues Erdenleben hinein, zu dem wir in der Zukunft gerade so hinblicken können, wie wir in die Vergangenheit zurückblicken können auf die bereits verflossenen Erdenleben des einzelnen Menschen. So blicken wir immer fortlaufend in Erdenleben - zwischen Geburt und Tod verlaufend - und in Leben, die zwischen Tod und neuer Geburt verlaufen in einer rein geistigen Welt. So, wie wir diese Wahrheit hinstellen in das heutige Geistesleben, so erscheint sie ganz selbstverständlich den allermeisten Menschen phantastisch. Aber so phantastisch haben alle neuen Wahrheiten der Welt, wie sie aufgetreten sind, geschienen. Das wird immer das Schicksal der neuen Wahrheiten [sein], dass sie zunächst wie Phantastereien erscheinen, dann werden sie etwas, was man gar nicht mehr als anders ansehen kann; sie werden dann zu Selbstverständlichkeiten. Dann, wenn der Mensch sich so erblickt wie in einem ausgedehnten Gedächtnis, dann kann er auch erforschen die Zusammenhänge dieses geistig-seelischen Wesenskernes, der von Leben zu Leben geht, mit den geistigen Welten, durch welche das Göttlich-Geistige, das dieses Leben durchwebt und durchlebt, allerdings auch durchgeht. Aber aus dem, was der Geistesforscher so in seinem Innern voll belebt, aus dem quillt für den Menschen dasjenige, was er immer mehr und mehr gerade in der Gegenwart und namentlich in der Zukunft für die Kulturentwicklung unserer Erde braucht.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"XVIII. Die Geisteswissenschaft und die Geistigen Ziele Unserer Zeit","site_heading":null,"date":"1913-12-01","location":null,"word_count":394,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69e/1913-12-01/p016","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69e/1913-12-01/p016"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/69e/1913-12-01/p016","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}