{"corpus":"steiner","locus":"GA 69e/1913-12-01/p049","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Man wird immer mehr erkennen, dass allerdings mit allen Zielen der Gegenwart zusammenhängt das, was Geisteswissenschaft aus der Seele des Menschen zu machen vermag. Indem Geisteswissenschaft appelliert an das Aktive der Seele, geradezu an das, was nur durch die Aktivität in der Seele wachgerufen werden kann, spricht sie zugleich in ihren Erforschungsergebnissen zu den wichtigsten Tätigkeiten der Seele, und immer mehr werden im Geiste diejenigen Seelen Geisteswissenschaft begehren, die im wahrsten Sinne aktiv sein können. Geisteswissenschaft wird aber da an solche Seelenkräfte zu appellieren haben, die eigentlich erst von der Gegenwart an in Betracht kommen, die aber auch in alle Ziele der menschlichen Kultur einzugreifen haben; vor allen Dingen auch in das künstlerische Leben, sodass, geradeso, wie in alten Zeiten aus dem gemeinsamen Quell des Geisteslebens sich die Geisteswissenschaft auf der einen, die Kunst auf der andern Seite entwickelt hat, so auch hier mit der Strömung der Geisteswissenschaft die künstlerische Betätigung parallel gehen wird. Und ein schwacher Anfang hierzu soll in der Architektur der Stätte gegeben werden, die in Dornach gebaut wird. Sprechen soll die Architektur zu denjenigen, die sich in den Sehnsuchten der Seele hingezogen fühlen zu ihr, durch die Form von denselben geistigen Geheimnissen, von denen sonst nur in Worten eigentlich nur gestammelt werden kann. Eine Hoffnung hat die Geisteswissenschaft. Wie viele Gegner ihr erwachsen können in der Gegenwart, dass sie einer Notwendigkeit des Herzens und der menschlichen Seele entspricht, das wird sich ergeben aus dem, was sie in die Kultur eingefügt hat. Sowenig wissenschaftliche und religiöse Vorurteile den Kopernikanismus aufzuhalten vermochten, sowenig werden die Wahrheiten der Geisteswissenschaft gehemmt werden können durch die Vorurteile, die von diesen gegnerischen Seiten kommen. Das, was im Organismus des menschlichen Werdens und Geschehens liegt, das geschieht mit derselben Notwendigkeit, mit der ein Mensch, der jung ist, aus innerer Gesetzmäßigkeit älter wird, heranreift. Wie diese natürliche Eigenschaft in die Menschheit hineingelegt ist, so wird auch diese Geisteswissenschaft heranreifen. Und wie die Naturwissenschaft in das äußere Leben eingreift und umgestaltet hat das äußere materielle Leben, so wird die Geisteswissenschaft eingreifen in die sozialen, die moralischen geistigen Verhältnisse des Seelenlebens. So wahr wir heute in anderer Weise fahren - auf Eisenbahnen -, als wir noch vor zwei Jahrhunderten gefahren sind, so wahr leben heute in der Seele andere Sehnsuchten, als vor zwei Jahrhunderten Sehnsuchten in der Seele gelebt haben.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"XVIII. Die Geisteswissenschaft und die Geistigen Ziele Unserer Zeit","site_heading":null,"date":"1913-12-01","location":null,"word_count":384,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69e/1913-12-01/p049","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/69e/1913-12-01/p049"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/69e/1913-12-01/p049","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}