XIX. Theosophie Und Antisophie
Aber so, wie ein Pendel, wenn es nach der einen Seite ausschlägt, auch nach der anderen Seite ausschlagen muss, so muss auch der Mensch, wenn die äußere Form in die antisophische Stimmung ausschlägt, auch nach der anderen Seite - theosophisch - ausschlagen. Der Mensch kann nicht seelisch in Ruhe dastehen, wie das Pendel nicht ruhig sein kann, wenn es nach der einen Seite ausgeschlagen hat. Der Mensch könnte nur dann in seiner Seele Ruhe bewahren, wenn er sich vollständig stumpf in einem seelischen Dämmerzustand halten würde. Es kann vorkommen gerade durch die Stimmung der Gegenwart, dass die Seele hingerissen wird von der antisophischen Stimmung. Umso mehr ist es zu bemerken, in den Tiefen der menschlichen Seele, für den, der sie intimer betrachten kann, dass das Pendel nach der anderen Seite ausschlagen will, dass auch die theosophische Stimmung in zahlreichen Menschenseelen ist. Es handelt sich darum, dass diese Theosophie gerade für die Geisteswissenschaft in die richtigen Wege geleitet wird. Sie hat nicht die Aufgabe, theosophische Stimmung zu erzeugen - diese Stimmung wird sich als der entgegengesetzte Pendelschlag schon ergeben; je mehr wir der Zukunft entgegengehen, desto mehr wird gegenüber der antisophischen Stimmung bei allen Menschenseelen, die sich richtig verstehen, auch die theosophische Stimmung entstehen. Aber die theosophische Stimmung, so wenig sie erzeugt zu werden braucht, so sehr muss sie gelenkt und geleitet werden durch die Geisteswissenschaft, sie muss die richtige Bahn finden durch die Geisteswissenschaft, so, wie die antisophische Stimmung ihre richtige Bahn finden muss. Sonst könnte leicht dasjenige geschehen, was ich durch einen Vergleich andeuten will.
Cite:
GA 69e/1914-01-27/p048 · edition original