XX. Geisteswissenschaft in ihrem Verhältnis zu religiösen und sozialen Strömungen der Gegenwart

GA 69e/1914-03-13/p009 ·1914-03-13 · original (original)
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Geisteswissenschaft will im eminentesten Sinne eine Fortsetzung der naturwissenschaftlichen Vorstellungsweise sein, aber sie muss, da sie auf das Geistgebiet eingeht, diese naturwissenschaftliche Vorstellungsart überwinden. Sie muss gewissermaßen das, was die naturwissenschaftliche Vorstellungsart auf ihrem Gebiet groß gemacht hat, in anderer Art ausbilden, weil Geistesforschung es mit dem Gebiete des Geistes zu tun hat. Da zeigt die neuere Geisteswissenschaft, dass mit den Mitteln, die dem Menschen zur Verfügung stehen, wenn er die Naturgebiete durchforschen, die großen Wahrheiten der Natur ergründen will, dass er mit diesen Kräften und Seelenfähigkeiten nicht in die Geistgebiete hineinkommen kann. Es zeigt sich, dass kein Einblick in die geistige Welt möglich ist, wenn der Mensch sich nur jener Seelenfähigkeiten bedienen will, die entfaltet werden können, solange der Mensch vom Aufwachen bis zum Einschlafen in dem dadurch entstehenden Bewusstseinszustande ist, dass der Mensch sich der Sinne seines Leibes bedient, des Denkens, Fühlens und Wollens, zu denen er seinen Nervenapparat und sein Gehirn braucht.

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