XX. Geisteswissenschaft in ihrem Verhältnis zu religiösen und sozialen Strömungen der Gegenwart

GA 69e/1914-03-13/p012 ·1914-03-13 · original (original)
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Dadurch kommt der Mensch zu dem deutlichen Begriff, mit Bewusstsein zwischen zweierlei Lebenszuständen zu unterscheiden. Der eine Zustand ist der des gewöhnlichen Tagwachens. Da weiß man, dass man sich seiner Sinne bedienen muss. Und wer nur einigermaßen in die Denkungsweise der Neuzeit eingedrungen ist, der weiß, dass er sich seines an Gehirn und Nervensystem gebundenen Gedankenlebens bedienen muss, um sich in der Außenwelt zu orientieren. Das Bewusstsein verläuft so, dass alles Seelische unmittelbar verbunden ist mit dem Leiblichen, dass dieses im Seelisch-Geistigen darinnensteckt. Durch jene Anstrengung der Denk-, Fühlens- und Willenskräfte, die der Mensch in gewissen geistigen Übungen entfalten muss, gelangt er dazu, seine seelischen Kräfte in sich so zu konzentrieren, so zu verstärken, dass die Seele sich loslöst von dem Leib, gelangt er dazu, wirklich jenen Augenblick zu erleben, der sonst zwar auch erlebt, aber unbewusst erlebt wird: der Augenblick des Herausgehens aus dem physischen Leib. Dieser Augenblick wird ja sonst - aber nicht bewusst - im Einschlafen erlebt. Der Mensch nimmt noch wahr, wie die Eindrücke und die innere Regsamkeit dahinschwinden. Langsam geht er dann in Bewusstlosigkeit über. In ähnlicher Weise fühlt der, welcher durch Vornahme gewisser geistig-seelischer Übungen sein Denken, Fühlen und Wollen erstarkt und erkraftet hat, wie er es dazu bringt, die Seele so stark zu machen, dass sie fühlt: Ich bin auch etwas, wenn ich nicht mehr meine Hände rühre, nicht mehr mich der Augen und Ohren bedienen kann, ich bin noch etwas in mir selber.

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