XX. Geisteswissenschaft in ihrem Verhältnis zu religiösen und sozialen Strömungen der Gegenwart
Das ist das Eine. Ein Zweites, das einem entgegentritt, wenn so der Schleier der Sinnenwelt weggeweht wird, ist, dass man das, was man sonst Naturgesetze nennt, in ganz anderer Weise empfindet. Die Naturgesetze, die man im Sinnensein durch die Gedanken auffasst, sind jetzt, wo man außerhalb des Leibes wahrnimmt, nicht mehr Naturgesetze; die Gedanken sind fort, sie haben sich vereinigt mit geistigen Wesenheiten, die über den Menschen stehen. Was wir erleben in den Naturgesetzen, die wir vorher durch Gedanken aufgefasst haben, das ist jetzt selber Leben, und zwar sind es geistige Wesenheiten, die dann, wenn man die betreffende Erkenntnisstufe erlangt hat, so real vor der Seele des Menschen stehen wie sonst Tiere, Pflanzen, Mineralien vor den Sinnen des Menschen. In Wesenheiten lebt man sich ein, denen gegenüber man sich sagt: Die Naturgesetze zeigen uns etwas wie Schattenbilder, wie Abstraktionen von ihnen. Aber was in den Naturgesetzen vorhanden ist, wenn der Schleier hinwegfällt, das sind hohe geistige Wesenheiten. Innerhalb der Geisteswissenschaft werden diese Wesenheiten, die gleichsam die Gestalt der Naturgesetze ausmachen, die Geister der Form genannt, weil sie alldem, was in der Welt vorhanden ist, aus dem Leben der Welt heraus durch ihre geistige Kraft die Form anweisen. Alles, was in den Mineralien, in Tier und Pflanze als Form vorhanden ist, stellt sich dar als Tat dieser Wesenheiten.
Cite:
GA 69e/1914-03-13/p018 · edition original