XX. Geisteswissenschaft in ihrem Verhältnis zu religiösen und sozialen Strömungen der Gegenwart
So erfühlt der Geistesforscher die Seele, so entdeckt er im Menschen das, was im ganzen Leben zwischen Geburt und Tod innerlich, geistig-seelisch heranwächst, was als lebendige Seele dann durch die Pforte des Todes tritt, in eine geistige Welt eingeht, und das jene Ereignisse durchmacht, die geistig sind und die wiederum zu wiederholten Erdenleben führen. Das muss durch wiederholte Erdenleben durchgehen, was im Menschen die leibfreie Seele ist. Und was so durch den Tod durchführt, das wird wirklich durch den Geistesforscher entdeckt. Aber es wird dadurch entdeckt, dass der Erkenntnis, auf die man sich zunächst stützen will, eigentlich der Boden entzogen wird. So, wie durch Kopernikus dem sinnlichen Augenschein, mit dem man alles richtig zu sehen glaubte, der Boden entzogen worden ist, so wird durch die Geisteswissenschaft dem Glauben der Boden entzogen, dass die Seele, wenn sie sich nur loslöst, wenn sie selber ein geistig-seelisches Wesen wird, in die geistige Welt wirklich hineinschauen kann.
Cite:
GA 69e/1914-03-13/p027 · edition original